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Filmfestspiele: Wer in Venedig siegen könnte

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 12.09.2009 - 09:53

Venedig (RP). Heute gehen die 66. Filmfestspiele in Venedig zu Ende. Chancen auf den Goldenen Löwen haben politische Filme über den Iran und Israel, doch auch Werner Herzog, der als Einziger mit zwei Werken im Wettbewerb ist, hat Chancen. Als Darsteller traten Viggo Mortensen und Isabelle Huppert hervor. 

Vielleicht ist es an der Zeit für ein politisches Zeichen. Dann wird heute Abend zum Abschluss der 66. Filmfestspiele von Venedig die aus dem Iran stammende Regisseurin Shirin Neshat für ihren Film "Women without Men" die wichtigste Auszeichnung des Festivals erhalten: den Goldenen Löwen. Neshat ist bisher als Videokünstlerin hervorgetreten. Ihr erster Langspielfilm erzählt in Episoden von vier Frauen im Iran des Jahres 1953, von einem jungen Mädchen, das heiraten will, einer westlich orientierten Frau, einer religiösen – und einer Prostituierten. Sie alle kommen in Berührung mit dem Sturz des damaligen Ministerpräsidenten Mossadegh. Der Film ist eine stilvoll inszenierte politische Parabel, deren Parallelen zu den aktuellen Demonstrationen im Iran frappierend sind. Der filmische Kommentar einer Exil-Iranerin, die heute in New York lebt, ist sicher eine Auszeichnung wert.

Gleich zwei Herzog-Filme

Die Jury unter Vorsitz des amerikanischen Regisseurs Ang Lee könnte aber auch ein Zeichen gegen den Krieg setzen und "Lebanon" des israelischen Regisseurs Samuel Maoz belohnen. Der Film spielt bis auf die erste und letzte Szene im Innern eines Panzers. Darin hocken vier junge Israelis, die während des Libanonkriegs von 1982 vom Weg abkommen und mit der im Zielrohr aufscheinenden Wirklichkeit des Krieges hoffnungslos überfordert sind.

Vielleicht sollen die Filmfestspiele aber auch als das zu Ende gehen, als das sie begonnen haben: als Werner-Herzog-Festspiele. Der Münchner, der heute in den USA lebt, ist der erste Regisseur in der Geschichte des Festivals, der mit zwei Filmen im Wettbewerb ist. Einmal lieferte Herzog das Cop-Drogen-Drama "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans", in dem Nicolas Cage einen Polizisten spielt, der einen Mehrfachmord im Drogenmilieu aufklären muss, selbst aber drogenabhängig ist und sich in den Fall verstrickt. Mit dem zweiten Film "My Son, My Son, What Have Ye Done" verlegt Herzog die Ödipus-Tragödie in die amerikanische Mittelschicht von heute. Beide Filme sind etwas manieriert, wurden beim Festival aber mit großem Beifall aufgenommen.

Die Italiener dürften ihre größte Hoffnung wohl auf den Eröffnungsfilm "Baaria" von Giuseppe Tornatore gelegt haben, doch die Produktion ist zwar aufwendig und teuer, aber leider nur eine hektische Anekdotenreihung aus dem Leben einer sizilianischen Familie. Preiswürdig ist dieses sentimentale Palaver nicht. Auch Michael Moore hat mit seiner neuesten Doku-Collage "Kapitalismus – eine Liebeserklärung" zwar für Aufsehen, aber schnell auch für Enttäuschung gesorgt, denn der Film ist wieder eine große Selbstinszenierung, gespickt mit ein skandalösen Geschichten aus der amerikanischen Wirklichkeit, tiefer reicht die Kritik nicht.

Deutschland war mit Fatih Akins "Soul Kitchen" bestens vertreten. Diesmal versammelt Akin seine liebenswert-kaputten Typen in einem Spezialitätenrestaurant, das zu sehr viel guter Soul-Musik den Bach heruntergeht. Doch der Film ist eine turbulente, bis an die Groteske reichende Komödie, was einem Festivalprogramm stets guttut, den Preis-Chancen aber eher schadet.

Doch es gibt ja auch Darstellertrophäen. Einen wünschte man Viggo Mortensen für seine bestürzende Darstellung des Vaters in der Cormac-McCarthy-Verfilmung "Die Straße". Das Leid im ausgemergelten Gesicht des Schauspielers in diesem Postapokalypse-Drama wird man so schnell nicht vergessen. Und bei den Frauen könnte Isabelle Huppert zum Zuge kommen, für ihre Rolle als Gutsbesitzerin in den Wirren eines afrikanischen Bürgerkriegs. So könnte der insgesamt sehr überzeugende Film "White Material" der französischen Filmemacherin Claire Denis immerhin indirekt zu Ehren kommen.

Verdient hätte das auch "Lourdes", ein kluger, stiller Film über eine gelähmte junge Frau, die in dem Wallfahrtsort eine Heilung erfährt, an die sie selbst nicht glauben kann. Die junge österreichische Regisseurin Jessica Hausner hat sich mit dem exzellenten Kameramann Martin Gschlacht an dieses sperrige Thema gewagt. Mut, der belohnt werden sollte.

Quelle: RP

 
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