Hommage "The Good, The Bad, The Weird": Western auf Koreanisch
VON BIRTE LÜDEKING - zuletzt aktualisiert: 30.07.2009 - 02:35(RP). Ein Koreaner verpflanzt den Italo-Western in die Mandschurei. Dort verordnet er dem angestaubten Genre eine Verjüngungskur mit reichlich Adrenalinspritzen: Pferde teilen die Leinwand mit Motorrädern, die Kamera vollführt ebenso waghalsige Stunts wie die Darsteller, die Inszenierung setzt auf atemlose Action.
Der aufwendig gefilmte Asien-Western des südkoreanischen Regisseurs Kim Jee-woon versteht sich als Verbeugung vor den Filmen Sergio Leones. In Südkorea war er nicht nur die bislang teuerste einheimische Produktion aller Zeiten, sondern im vergangenen Jahr auch die erfolgreichste.
Nicht allein der Filmtitel ist eine Anspielung auf Leones Klassiker von 1966 "The Good, the Bad and the Ugly" (deutscher Titel: "Zwei glorreiche Halunken"). Auch die Handlung von Kims Hommage lehnt sich locker an das italienische Vorbild an: Drei Männer jagen in der Mandschurei der 30er Jahre einer Schatzkarte hinterher. Die Aussicht auf Reichtum dient der Geschichte aber lediglich als Vorwand, um einen "guten" Kopfgeldjäger, einen "bösen" Revolverhelden und einen "merkwürdigen" Ganoven aufeinander anzusetzen und das Trio auf eine Verfolgungsjagd mit viel Kugelhagel, Krawall und Klamauk quer durch die Einöde zu hetzen. Einige wunderbar rasante Passagen und die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen werden leider von manchen Handlungslängen und den größtenteils eindimensionalen Figuren getrübt.
Lediglich "The Weird" (Song Kang-ho aus "The Host") sticht als charismatischer Charakter hervor und lässt seine Gegenspieler umso blasser aussehen. Stärkere Figuren hatte der Autor und Regisseur in seinem früheren Horrorstreifen "A Tale of Two Sisters" (2003) und dem Gangsterfilm "A Bittersweet Life" (2005) entworfen. In "The Good, The Bad, The Weird" experimentiert Kim nun wieder mit einem anderen Genre. Das Subtile weicht hier dem Spektakel, der Soundtrack und die virtuose Kameraführung sind das Bemerkenswerte. Sie vermitteln dem Zuschauer in den Actionszenen das Gefühl, mitten im Schussfeld eines koreanischen Westerns zu sein – ein mitreißendes Kinoerlebnis.
Bewertung: 4 von 5 Sternen
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