Berlinale 2006: Wettbewerb wird politisch
zuletzt aktualisiert: 14.02.2006 - 16:02Berlin (rpo). Der Berlinale-Wettbewerb ist am Dienstag sehr politisch gewesen. Neben dem Doku-Drama "The Road to Guantánamo" von Regisseur Michael Winterbottom wurden auch die Beiträge "Invisible Waves" und "Zemestan" vorgestellt. Desweiteren wurde der deutsche Film "Der rote Kakadu" in der Sektion Panorama gezeigt.
Regisseur Michael Winterbottom erzählt in dem Doku-Drama "The Road to Guantánamo" die Geschichte von drei britischen Muslimen, die im März 2004 nach zweijähriger Haft aus dem US-Gefangenenlager Guantánamo Bay entlassen wurden. Die Männer waren als vermeintliche Taliban-Kämpfer ohne Anklage oder Rechtsbeistand auf Kuba festgehalten worden. Der Brite Winterbottom sagte, er wolle mit "The Road to Guantánamo" das gleichnamige US-Gefangenenlager anprangern. Der Film solle die Leute daran erinnern, wie bizarr es sei, dass Guantánamo überhaupt existiere. "Wir haben uns daran gewöhnt, dass dort immer noch 500 Leute festgehalten werden", kritisierte er.
Ferner wurde der Psychothriller "Invisible Waves" des thailändischen Regisseurs Pen-ek Ratanaruang präsentiert, in dem ein japanischer Koch nach dem Mord an seiner Geliebten von Schuld gepeinigt wird. Am Abend sollte die iranische Produktion "Zemestan" von Rafi Pitts Premiere feiern, eine Studie über Arbeits- und Lebensbedingungen am Rande der Großstadt Teheran.
"Deutschland wird noch durch unsichtbare Mauer geteilt"
In der Sektion Panorama stellte Regisseur Dominik Graf ("Der Felsen") seinen neuen Film "Der Rote Kakadu" vor. Dieser erzählt von der Dresdner Tanzbar "Roter Kakadu", in der sich die sozialistische Jugend 1961 ausgelassen zum Rock'n'Roll-Tanzen trifft - darunter auch die Dichterin Luise (Jessica Schwarz), ihr Mann Wolle (Ronald Zehrfeld) und der ebenfalls in Luise verliebte Siggi (Max Riemelt). Doch dann machen Stasi und Volkspolizei Jagd auf die jungen Leute, und der Berliner Mauerbau bereitet der Ausgelassenheit ein Ende.
Graf sagte, er sehe Deutschland noch immer durch eine unsichtbare Mauer geteilt. "Osten und Westen sind noch lange nicht verbunden", betonte er. Schwarz sagte, vor den Dreharbeiten habe sie nicht mehr über die DDR gewusst als das, was in Geschichtsbüchern stehe. Auf ihre Rolle der Dichterin Luise habe sie sich vorbereitet, indem sie die Biografie der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann gelesen habe.
Der indische Filmproduzent und Regisseur Yash Chopra lehnte derweil explizite politische Kritik in Filmen ab. Viel stärker als politische Positionen berührten die Zuschauer Geschichten über menschliche Beziehungen und Schicksale, sagte Chopra der Nachrichtenagentur ddp am Rande der Internationalen Filmfestspiele. Chopra gehört zu den größten Produzenten und Regisseuren romantischer Filme in Indien, die in Europa unter dem Label "Bollywood" in den Kinos laufen. In diesem Jahr sitzt er zum zweiten Mal in der Berlinale-Jury.
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