Kino-Film über eine wahre Geschichte: Wie ein Deutscher tausende Chinesen rettete
zuletzt aktualisiert: 29.03.2009 - 09:28Berlin (RPO). In seinem internationalen Regiedebüt schlägt der deutsche Oscar-Preisträger Florian Gallenberger ("Quiero Ser", "Schatten der Zeit") ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Vorkriegsgeschichte auf. "John Rabe" erzählt von den realen Erlebnissen eines couragierten Deutschen, der durch seinen selbstlosen Einsatz 200.000 chinesischen Zivilisten das Leben rettete. Seither ist er in Asien als "Der gute Deutsche von Nanking" bekannt.
30 Jahre hat John Rabe (gespielt von Ulrich Tukur) in China verbracht. Zuletzt arbeitete der Hamburger als Kraftwerksleiter in Nanking. Im Sommer 1937 soll der Betrieb nun geschlossen werden. Für Rabe steht die wehmütige Heimreise an. Als es am Vorabend seines Abschieds zu einem brutalen Angriff durch japanische Truppen kommt, überlegt er es sich allerdings anders. Gemeinsam mit internationalen Mitstreitern richtet Rabe in Nanking - gegen alle Befehle aus der Heimat - eine Schutzzone für Zivilisten ein.
Warum seine Tat in Deutschland relativ unbekannt ist, erklärt sich aus geografischen und politischen Gründen. In den 1930er Jahren war China weit weg. Zudem war es nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit unmöglich, ein bekennendes NSDAP-Mitglied als selbstlosen Humanisten zu präsentieren. Schließlich stellt sich Rabe in Gallenbergers Drama keineswegs gegen seine Partei. Er ist sogar von der Rassenlehre der Nazis überzeugt.
Als es zu dem Übergriff der Japaner kommt, bittet er seinen Führer in einem persönlichen Brief um Hilfe. In Adolf Hitler setzt er - zumindest anfangs - seine ganze Hoffnung. Kontroverse Emotionen löst zudem eine Szene aus, in der mehrere hundert Chinesen Schutz unter einer überdimensionalen Hakenkreuzflagge suchen. Der Film beschönigt die politischen Rahmenbedingungen somit keineswegs.
Der bravouröse Hauptdarsteller Ulrich Tukur ("Das Leben der Anderen") mimt einen stolzen Industriellen, dem das persönliche Schicksal seiner Mitarbeiter zu Herzen geht. Rabe fühlte sich in Nanking drei Jahrzehnte lang wohl und willkommen und das möchte er seinen chinesischen Freunden nach dem Einmarsch der Japaner zurückgeben. Dazu nutzt er als deutscher Nationalsozialist seine Einflussnahme auf die verbündeten Besatzer aus.
Doch der ausgehandelte Frieden ist fragil. Dabei kommt es auch zu internen Spannungen. So kann sich ein von Steve Buscemi ("The Big Lebowski") gespielter US-Arzt nur schwer damit anfreunden, beim Aufbau der Schutzzone ausgerechnet von einem Deutschen Befehle annehmen zu müssen. Die inneren Spannungen der Organisatoren sowie die Konflikte mit den japanischen Befehlshabern sind spannend in Szene gesetzt. Daneben überzeugt der Film durch schonungslose Kriegsszenen, in deren Verlauf es zu Plünderungen, Vergewaltigungen und Exekutionen kommt.
Nach seinem Kurzfilm "Quiero ser", der vor acht Jahren einen Oscar gewann, ist Gallenberger erneut ein preisverdächtiges Werk gelungen. Mit sieben Nominierungen geht "John Rabe" am 24. April daher als Favorit ins Rennen um den Deutschen Filmpreis.
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