Hier sind die Stars ganz anders: Willkommen im Anti-Hollywood
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 21.01.2008 - 16:01Düsseldorf (RPO). Park City. Einmal im Jahr wird aus dem verschlafenen Nest in Utah die Welthauptstadt des Films. Allerdings in einer Art Negativfolie. Beim Sundance-Filmfestival ist alles anders. Trotzdem kommen sie alle. Auch die Giganten der Branche. Hier können sie sich geben, wie sie wirklich sind.
Das Sundance Filmfestival gilt als die weltweit wichtigste Plattform für unabhängige Produktionen. Es ist ein Gegenentwurf zum Glammer und Popanz von Hollywood. Es ist bitterkalt, es fehlt das große Tamtam drumherum. Trotzdem erfreut es sich wachsender Beliebtheit bei den A-Listers, den Großen der Branche.
Die nämlich genießen es rundum hier zu sein. In Park City können sie sich geben wie sie sind. Unverfälscht, ungeschminkt, unbelästigt. Der Empfang zur Filmpremiere sieht deswegen vollkommen anders aus. Die Schauspieler kommen nicht in glitzernder Abendrobe und aufgedonnerter Frisur. Sie erscheinen im schlichten Grau, wegen der Kälte eingepackt in Schal, Anorak und Mütze. Es ist ein Festival der Unbefangenheit.
Für den Erfolg von Sundance gibt es weitere gute Gründe: Zum einen gilt Treffen in Sundance als Pool für neue Ideen und Gesichter. Eine Art Innovationsschmiede und Sprungbrett für den großen Kinomarkt. Nicht eben wenige schafften hier den Durchbruch. Marc Forster zählt dazu, ebenso Jim Jarmusch, Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez. Etliche frei produzierte Filme machten an diesem Ort den Schritt vom Geheimtipp zum Kassenschlager. Dazu zählen das „Blair Witch Project“, „Super Size Me“ und im vergangenen Jahr die herrliche Komödie „Little Miss Sunshine“.
Freilich sind die Veranstalter am Erfolg des Festivals nicht ganz unschuldig. Sie verlegten das Festival einfach in den Januar. Folge: Die traditionell wintersportfreudige US-Prominenz nahm die Gelegenheit wahr und verknüpfte den Aufenthalt in den naheliegenden Skigebieten mit einem Besuch beim Festival. Für den Stellenwert des Festivals war es ein großer Sprung.
Das Schicksal des Festivals ist zudem maßgeblich mit dem Namen eines Mannes verknüpft. Robert Redford zählt zu den Mitbegründen und engagiertesten Förderern. Er soll dem Treffen auch seinen Namen verpasst haben: Einem Wikipedia-Eintrag zufolge wurde es nach Redfords Rolle des Sundance Kid im Film Butch Cassidy and the Sundance Kid benannt – Redfords Lieblingsfigur.
Auch in diesem Jahr sind wieder schwierige, subversive Filme mit dabei, die anders sind als die gleichförmige Hollywood-Kost. Dazu zählen die schrägen Komödien „The Hottie and the Nottie“ mit Paris Hilton und „Smart People“ mit Sarah Jessica Parker. Außerdem vertreten: Jack Black mit „Be Kind Rewind“ (Story: Erkranktes Gehirn zerstört durch magnetische Kräfte alle Bänder einer Videothek) und „The Mysteries of Pittsburgh“ (Dreiecksbeziehung stürzt Nick Nolte in den Wahnsinn). Wir dürfen gespannt sein, wer diesmal den Überraschungscoup landet.
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