In seinem Film "Anything Else" spielt er einen Juden: Woody Allen kritisiert Israel
zuletzt aktualisiert: 25.08.2004 - 14:43München (rpo). Woody Allen macht Israel für den Dauerkonflikt im Nahen Osten verantwortlich. Der Regisseur ist als Sohn orthodoxer Juden in New York geboren. Über seinen neuen Film "Anything Else" sagte Allen, er sei zwar nicht politisch, aber es gebe eine Analogie.
Im Film, der am 2. September in die deutschen Kinos kommt, spielt Woody Allen einen Juden, der eine Sicherheits- und Waffenobsession entwickelt.
"Der Charakter, den ich spiele, ist eigentlich ein guter Kerl", sagte Allen. "Und der Staat Israel begann ursprünglich einmal als ein sehr nobles Experiment." Er fügte hinzu: "Aber irgendwann fingen sie an, diesen Pfad der Tugend zu verlassen und sehr unanständige Dinge zu tun, weil ihre Nachbarn ihnen im Laufe der Jahre nicht das kleinste bisschen Freundlichkeit entgegengebracht haben." Die Nachbarn hätten darauf reagiert, "und deswegen haben wir jetzt diese fürchterliche Situation im Nahen Osten", sagte Allen.
Der 68-jährige Regisseur kritisierte auch seine Kollegen in den USA. Er würde gerne mal wieder einen guten amerikanischen Film sehen, sagte Allen. "Unmöglich. Alles dreht sich nur noch um Spezialeffekte, Blockbuster oder völlig schwachsinnige Teeniekomödien, in denen ein unterirdischer Witz den nächsten jagt."
In seinem neuen Film wirkten als Stars unter anderen Danny DeVito und Christina Ricci mit. Woody Allen verriet, dass er nur 1.000 Dollar am Tag und 5.000 für eine Woche Gage zahle. Unter diesen Voraussetzungen sei das zuvor gezeigte starke Interesse von Stars plötzlich vorbei.
Woody Allen beschäftigt sich heute mehr mit dem Tod, als mit Sex. Früher hatte er die beiden Themen als seine Obsessionen bezeichnet. Er werde schließlich auch nicht jünger, erklärte der 68-Jährige. "Sex war nun einmal sehr wichtig für mich, und ich bereue nichts." Die Fragen, warum wir lieben und warum die Liebe so selten funktioniere, interessierten ihn noch heute, sagte Allen. "Ich bin mir ziemlich sicher, man wird irgendwann die chemischen Formeln und Körperprozesse für Liebe und guten Sex knacken. Vielleicht brauchen wir dann keine Psychoanalyse mehr."
Für die Vergangenheit interessiere er sich wenig. Sobald er einen Film fertiggestellt habe, sei er für ihn Schnee von gestern. "Die Nachwelt kann meine Filme gerne auf den Müllhaufen der Filmgeschichte werfen. Es wäre mir - ehrlich gesagt - egal."
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