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Superhelden im Faktencheck
Spiderman würde von seinen Superkräften zerrissen werden

Hollywood-Stars in Comic-Verfilmungen
Hollywood-Stars in Comic-Verfilmungen FOTO: Warner Bros.
Düsseldorf. Sie haben Superkräfte, leisten Superdinge – und würden im realen Leben sehr oft sehr schnell tragisch enden. Wir erklären, warum. Von Ludwig Jovanovic

Superhelden haben es nicht leicht. Nicht nur, dass sie meist in einer Identitätskrise stecken und sich fragen, wer sie wirklich sind: der normale Mensch oder das Überwesen. Immer wieder sind es auch Super-Bösewichte, die ihnen gefährlich werden. Doch die sind noch nicht einmal ihr größter Feind. Die Gesetze der Physik sind noch tödlicher für sie.

Zum Beispiel Spiderman: Mitten im Kampf stürzt der Spinnenmann etwa 80 Meter tief. Im freien Fall erreicht er nur aufgrund der Erdanziehung eine Geschwindigkeit von 140 km/h – bis er seinen Spinnenfaden schleudert und nach 20 Metern abbremst. Wenn "Spidey" etwa 80 Kilogramm auf die Waage bringt, macht das eine Bremskraft von knapp 3140 Newton aus. Das ist so, als würden 320 Kilogramm plötzlich an seinen Arm gehängt. Okay, der Spinnenfaden selbst hätte damit vermutlich keine Probleme. Bei einem Durchmesser von nur zwei Millimeter könnte der 350 Kilogramm tragen – wenn es so überdimensionierte Spinnenfäden in der echten Welt geben würde. 

Spiderman würden die Arme ausgerissen

Nur leider würde selbst Spidermans gestählter Körper das nicht mehr mitmachen: Eine Bremskraft, die dem Gewicht von 320 Kilogramm entspricht, würde ihm den Arm ausreißen. Das ist leider keine Hypothese, sondern ein Erfahrungswert – aus dem düsteren Mittelalter, als Königsmörder noch mit der Unterstützung von Pferden gevierteilt wurden. Spiderman würde den Sturz vielleicht noch überleben. Danach aber wäre es vermutlich vorbei mit der Superhelden-Karriere. Zu dem Ergebnis kamen Mitarbeiter der Technischen Universität Wien.

Und was ist mit Iceman aus dem X-Men-Universum, das am 19. Mai mit "Apocalypse" wieder die Kino-Leinwand erobern möchte. Der Superheld hat unter anderem die grandiose Eigenschaft, seinen eigenen Körper in festes Eis zu verwandeln. Studenten der Universität Leicester haben sich dazu ein paar Gedanken gemacht: Vereinfacht haben sie angenommen, dass Iceman seinen gesamten Körper vor dem Schockgefrieren in Wasser verwandelt.

Iceman ist eine wandelnde Bombe

Wenn der Superheld dann seinen knapp 66 Kilogramm schweren Körper innerhalb einer Zehntelsekunde von 37 Grad auf -76 Grad abkühlt, muss die ganze Wärme-Energie irgendwo hin. Und zwar möglichst schnell. Es wäre die Energie von zehn Kilogramm hochexplosivem TNT, die Iceman freisetzen und ihn sehr wahrscheinlich zerreißen würde. Und selbst wenn nicht: In seiner direkten Umgebung würde es etwas ungemütlich werden. Die Luft könnte die plötzliche Energie nicht so schnell abgeben: Es käme zu einer Schockwelle und noch in zwei Metern Entfernung würden die Temperaturen schlagartig auf mehr als 1000 Grad ansteigen. Iceman wäre ein wandelnder Eiszapfen, allen um ihn herum aber würde ziemlich schnell ziemlich heiß werden.

Aber die Fähigkeit, keine Schmerzen zu haben, muss dann doch in der Realität viele Vorteile haben? So wie Green Arrow sie zumindest in einigen Comics hat. Schmerzen sind ein effizientes Warnsystem. Sie melden uns, dass etwas mit dem Körper nicht so ist, wie es sein sollte. Wer keine Schmerzen hat, würde sehr schnell an Prellungen, Knochenbrüchen, unzähligen Schnittwunden und Verbrennungen zugrunde gehen – weil er die Warnsignale nie gespürt hat und rechtzeitig etwas vorsichtiger geworden wäre.

Superman hätte auch Superhunger

Auch superstark wie Superman zu sein, würde zu Problemen führen. Unvorteilhaft wäre es, wenn er einen Panzer oder ein Flugzeug hebt. Die gesamte Masse würde über die Fläche seiner eher kleinen Füße auf den Boden übertragen. Der Druck, den er auf den Boden ausübt, wäre dann so groß, dass er im Boden versinken würde.

Dort könnte er sich dann aber wenigstens verstecken, wenn er mal wieder Hunger hat. Und den hat er ziemlich oft: Es waren wieder Studenten der Universität Leicester, die berechnet haben, wie viel Energie Superman verbrauchen würde, wenn er konstant für acht Stunden in 30.000 Meter Höhe mit 3600 km/h unterwegs wäre: 207 Millionen Kilojoule. Da hilft es auch nicht, dass er über seine Haut Sonnenenergie tankt. Es würde nach den Berechnungen der Studenten bei Weitem nicht reichen. Superman müsste schon wie ein Kraftwerk Energie produzieren. Oder er gönnt sich einen Snack in Form von Baumkuchen. Etwa zehn Tonnen davon sollten reichen, um den letzten Sohn Kryptons für seinen Acht-Stunden-Flug zu stärken.

Und wer meint, dass Susan Storm von den "Fantastischen Vier" es dann am besten erwischt hat, weil sie sich unsichtbar machen kann: Wir sehen, weil unsere Nervenzellen in den Augen Licht empfangen und in elektrische Signale umwandeln, die unser Gehirn verarbeiten kann. Bei der unsichtbaren Susan Storm aber können die Augen nichts mehr auffangen – weil sie für Licht durchlässig ist. Mit anderen Worten: Susan Storm wäre in dem Moment blind, in dem sie unsichtbar wird. Der Vorteil hält sich dann doch stark in Grenzen.

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