Interview: Zooey Deschanel: Ich bin kein Cyber-Girlie
VON DÖRTE LANGWALD - zuletzt aktualisiert: 10.06.2005 - 14:44München (rpo). Coole Sci-Fi-Heldinnen sind selten. Die Emanzipation ist noch nicht bis in die unendlichen Weiten des Alls vorgedrungen. Klar, es gibt Sigourney Weaver als Alien-Bekämpferin Ripley, oder Milla Jovovich als ätherische Amazone in "Das fünfte Element". Dennoch sind die Damen im Science-Fiction-Genre meist auf die Rolle der hübschen Flugbegleiterin beschränkt. Im Hintergrund dürfen sie ein bisschen an den Knöpfen des Bordcomputers herumfummeln, während die Rettung der Welt in den Händen der Männer liegt. Umso mehr freute sich Zooey Deschanel, dass sie in der Verfilmung von Douglas Adams’ Kultroman "Per Anhalter durch die Galaxis" eine clevere Weltraum-Heroin mit Superhirn spielen durfte.
Die Rolle der letzten Erdling-Frau Tricia Mc Millian alias "Trillian" war für die 25-jährige Kalifornierin ein Traumpart. Zuvor war Zooey Deschanel bereits in dem Drama "Almost Famous" als süße Stewardess aufgefallen, spielte zudem neben Will Ferrell in der Komödie "Buddy – Der Weihnachtself" und an der Seite von Jennifer Aniston in "The Good Girl". Demnächst steht sie mit Matthew McConaughey und Sarah Jessica Parker für die Komödie "Failure to Launch" vor der Kamera. Die brünette Beauty mit dem zarten Porzellanteint ist die Tochter des mehrfach Oscar-nominierten Kameramanns Caleb Deschanel ("Die Passion Christi", "Der Patriot") und der Schauspielerin Mary Jo Deschanel ("Twin Peaks"). Im Interview sprach Zooey über ihre Erfahrungen als Reisende durch die Galaxis, über die Tücken des Schauspielberufs – und über die Unterwäsche ihre Freundes Jason Schwartzman ("I Heart Huckabees").
Sind Sie so abenteuerlustig wie Ihre Filmfigur Trillian?
Nein. Ich eigne mich nicht mal zum Camping (lacht). Durch meinen Beruf habe ich mich zwar an das viele Reisen gewöhnt, aber von Natur aus bin ich nicht gerade ein Weltenbummler.
Das Motto des Anhalter-Reiseführers lautet: "Keine Panik". Wodurch geraten Sie in Panik?
Das ist leider eine ganze Menge. Interviews machen mich zum Beispiel nervös. Oder die richtigen Schuhe für ein Premieren-Outfit zu finden. Ich arbeite aber daran, mir Douglas Adams’ Worte mehr zu Herzen zu nehmen.
Dann sind Sie wahrscheinlich auch noch nie per Anhalter gefahren?
Nein, ich war ein braves Mädchen und habe auf die Warnungen meiner Eltern gehört. Aber eine meiner liebsten Filmszenen ist eine Anhalter-Szene: Clark Gable und Claudette Colbert in "Es geschah in einer Nacht".
Im Film wollen Sie unbedingt nach Madagaskar reisen. Haben Sie privat noch einen unerfüllten Reisewunsch?
Ich träume von Tokio. Kürzlich wurde ich dort zu einer Party eingeladen und hätte umsonst nach Japan fliegen können. Leider hatte ich keine Zeit. Südamerika würde mich auch mal reizen.
Ein typisch weiblicher Sci-Fi-Stereotyp sind schöne Frauen, die sich mit einem Computer unterhalten. Hatten Sie Angst, in dieser Schublade zu landen?
Ja. Wir wollten unbedingt vermeiden, dass Trillian wie ein dümmliches Cyber-Girlie wirkt, das immer nur das wiederholt, was der Bordcomputer gerade gesagt hat. Im Buch steht ihre Figur eher im Hintergrund, aber für den Film hat Douglas Adams ihre Persönlichkeit etwas mehr herausgearbeitet. Sie ist nämlich wahnsinnig intelligent und verfügt über ein Superhirn. Meiner Meinung nach ist Trillian die coolste Sci-Fi-Heldin von allen! Naja, vielleicht bin ich ein bisschen subjektiv (lacht).
Haben Sie es genossen, das einzige Mädchen am Set zu sein?
Klar! Allerdings haben mich die Jungs eher wie ihre kleine Schwester behandelt, weil ich die Jüngste am Set war. Ständig haben sie mich aufgezogen. Aber insgesamt hat sich eine wunderbare Kameradschaft zwischen uns entwickelt. Es gab keine Zicken oder Diven im Team.
Mögen Sie Computer?
Ja, sehr – übrigens im Gegensatz zu meinen männlichen Kollegen am Set. Erstaunlicherweise war ich bei den Dreharbeiten die einzige, die ein Laptop dabei hatte. Die Jungs konnten damit überhaupt nichts anfangen.
Was machen Sie mit Ihrem Computer - lesen Sie Kritiken über sich im Internet?
Nein, ich versuche, um sie "herumzusurfen". Aber grundsätzlich finde ich es toll, was man alles mit Computern machen kann. Ich lade sehr viel Musik aus dem Internet herunter und habe immer meinen i-Pod dabei.
Sie wirken sehr modebewusst. Wie haben Ihnen Ihre Kostüme im Film gefallen?
Sie sind perfekt! Mein Overall ist eine Art Space-Anzug – ein bisschen futuristisch, aber auch urgemütlich. Man könnte ihn locker auch im normalen Leben tragen. Privat habe ich mir nun ebenfalls einen Overall zugelegt. Vielleicht wird das ja durch den Film ein Trend?
Tragen Sie privat auch die Unterhosen Ihres Freundes, so wie Sie es im Film tun?
Ich habe meine eigenen Boxershorts. Jason (Schwartzman, aus "I Heart Huckabees") muss sich also keine Sorgen machen. Viel wichtiger ist mir aber, dass er nicht mein Unterwäsche trägt (lacht).
Der Reiseführer "Per Anhalter durch die Galaxis" empfiehlt Handtücher als unverzichtbares Reiseuntensil. Haben Sie eines dabei?
Nein, aber ich habe mir nach dem Film einen Frotteerock gekauft, der ebenfalls sehr praktisch ist. Man kann immer seine Hände daran abtrocknen.
Trillian und Arthur Dent lernen sich in reichlich albernen Verkleidungen auf einer Kostümparty kennen. Mögen Sie Kostümfeste?
Sehr! Ich plane schon Monate im Voraus meine Halloween-Kostüme – nur, um dann im letzten Moment meine Meinung zu ändern und in völlig verrückten Last-Minute-Outfits aufzukreuzen. Letztes Jahr waren Jason und ich als John Lennon und Yoko Ono verkleidet. Wir haben sogar ein Bett-Happening auf der Party inszeniert. Ein Riesenspaß.
Apropos Jason Schwartzman – war sein Gastauftritt in "Per Anhalter durch die Galaxis" Ihre Idee?
Das hat sich ganz spontan ergeben. Jason kam zum Set, um mich zu besuchen, und Garth Jennings (der Regisseur) fragte ihn, ob er Lust auf ein Cameo habe. Jason war sofort begeistert. Er ist ein großer Fan von Douglas Adams.
Garth Jennings führte zum ersten Mal bei einem Kinofilm Regie. Hatten Sie Bedenken?
Nein. Garth Jennings war sehr entspannt. Obwohl er sich der hohen Erwartungen der Fans bewusst war, hat er sich selbst und uns nie Druck gemacht. Er war sich seiner Sache einfach sicher.
Was war für Sie der unvergesslichste Moment bei den Dreharbeiten?
Die Szenen mit den Vogonen! Ich hatte noch nie zuvor mit Puppen gedreht und schon gar nicht mit 2,10 Meter großen Außeriridischen in Lederanzügen. Als ich für meine erste Vogonen-Szene zum Set kam, schoss mir durch den Kopf: "Dieser Job ist surreal! Erst werde ich angekleidet, geschminkt und frisiert – und dann muss ich zu gigantischen Alien-Puppen sprechen." Ich glaube, derartige Berufsaussichten hätten mich als Kind sehr glücklich gemacht (lacht).
Haben Sie ein Souvenier vom Set mitgenommen?
Ich bin doch nicht lebensmüde (lacht)! Die Requisiten wurden wie Augäpfel gehütet. Allerdings hat ein Fremder es tatsächlich gewagt, den Unwahrscheinlichkeitsantrieb aus der Raumschiffkulisse herauszureißen. Keine Ahnung, wie er das geschafft hat.
Ihre Eltern sind ebenfalls im Filmgeschäft tätig. War es dadurch für Sie immer klar, dass Sie Schauspierlien werden wollten?
Ja. Ich war mir bei meiner Berufswahl immer sicher, dennoch war es unendlich aufregend, als meine Träume Wirklichkeit wurden. Ich hätte nie gedacht, dass ich eines Tages in einem großen Science-Fiction-Abenteuerfilm mitspielen würde.
Nachdem Sie nun einen Sci-Fi-Film gedreht haben - sind Sie auf den Geschmack gekommen?
Ich möchte mich in allen Genres ausprobieren, vor allem aber in interessante Charaktere schlüpfen. Ich habe keine Lust darauf, die langweiligen Freundinnen von irgendwelchen Schönlingen zu spielen.
Wie hart ist die Konkurrenz unter den jungen Schauspielerinnen in Hollywood?
Keine Ahnung. Ich versuche, mich aus dem ganzen Konkurrenzzirkus herauszuhalten. Es bringt einen sowieso nicht weiter. Für gute Filme wird man nicht besetzt, weil man sich auf Parties herumtreibt.
Haben Sie sich mit Ihrer Schwester Emily, die ebenfalls Schauspielerin ist, schon mal um eine Rolle gestritten?
Überhaupt nicht. Emily und ich freuen uns füreinander, wenn wir gute Rollen bekommen. Wir sind völlig unterschiedliche Typen, werden nie für die gleiche Rolle gecastet. Wenn wir nicht denselben Nachnamen hätten, würde wahrscheinlich keiner auf die Idee kommen, dass wir Schwestern sind.
Arthur Dent spricht Trillian mit einem ziemlich lahmen Spruch an. Wie sind diesbezüglich Ihre privaten Erfahrungen?
Ich wurde zum Glück noch nie mit einem richtig miesen Aufreißerspruch angebaggert. Ich finde solche "Pick-up-lines" schrecklich und würde selber niemals jemanden mit einem pseudo-witzigen Spruch anquatschen.
Sie werden aber bestimmt oft von männlichen Fans angesprochen?
Das kommt selten vor. In L.A. sind die Leute daran gewöhnt, dass im Restaurant Superstars am Nachbartisch sitzen. Da falle ich als relativ unbekannte Schauspielern kaum auf. Ich bin immer völlig erstaunt, wenn mich jemand erkennt. Daran habe ich mich noch nicht gewöhnt.
Genießen Sie große Auftritte, wie zum Beispiel bei einer Filmpremiere?
Ich sage nur: Vorbereitung ist alles! Ich lege schon Wochen vorher meine Kleidung fest, und lasse mich am Tag einer Premiere rundum verwöhnen. Maniküre, Pediküre, usw. Wenn man sich in seiner Haut wohl fühlt, macht es auch Spaß, von Tausenden von Kameras abgelichtet zu werden und im Mittelpunkt zu stehen. Obwohl das Ganze schon sehr surreal ist.
Im Film gibt es eine witzige Szene, in der die Vogonen ihre Gefangenen mit schlechter Poesie foltern. Mögen Sie Gedichte?
Ja! E. E. Cummings ist mein Lieblingsdichter. Ich schreibe selber sehr viel, allerdings keine Poesie, sondern Drehbücher oder Texte für mein Kabarettprogramm. Meine Eltern haben mich nach J.D. Salingers Roman "Franny und Zooey" benannt. Das verplfichtet natürlich (lacht).
Ihre Film-Verehrer Arthur und Zaphod sind sehr unterschiedlich. Für wen würden Sie sich im wahren Leben entscheiden?
Für den süßen Arthur. Zaphod ist mir etwas zu exzentrisch. Allerdings hat Arthur einen schrecklich langweiligen Haarschnitt. Ich mag es, wenn Männer ein bisschen zerzauste Haare haben.
Trillian ist eine selbstbewusste Frau, die genau weiß, was sie will. Was sind Ihre Ambitionen?
Ich bin ebenfalls ehrgeizig und zielstrebig, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Meine Karriere ist schließlich nicht alles, was mein Leben wertvoll macht. In meinem Beruf braucht man vor allem Geduld. Manchmal sitze ich zehn Monate lang ohne eine Rolle herum – in solchen Zeiten darf man nicht verzagen. Dann gibt es wieder Phasen, in denen ich zwei Jahre am Stück arbeite. Regelmäßigkeit gibt es im Leben eines Schauspielers nicht.
Wie fühlen Sie sich, wenn Sie keine Arbeit haben?
Manchmal ist es deprimierend. Ich bin in meinem Beruf stets von den Entscheidungen anderer Leute abhängig. Ob ein Film gedreht wird oder nicht, hängt nicht von mir ab. So nervenaufreibend es auch ist, auf eine Rolle zu warten – Geduld zahlt sich aus. Es macht keinen Sinn, aus Verzweiflung jeden Job anzunehmen.
Das Erdenmädchen Tricia mutiert im Weltraum zur coolen Raumschiffpilotin Trillian. Hatten Sie auch schon mal den Wunsch, ihre Persönlichkeit komplett zu verändern?
Als Teenager war ich ziemlich pummelig. Aus heiterem Himmel verlor ich dann binnen weniger Monate meinen ganzen Babyspeck. Es hat mich sehr erstaunt, dass die Menschen plötzlich völlig anders auf mich reagiert haben – nur, weil sich mein Äußeres verändert hatte. Inzwischen bin ich sehr zufrieden mit mir, so wie ich bin.
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