Neuer Film von Sönke Wortmann: Zur "Päpstin" nach Marokko
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 20.10.2009 - 08:42Ouarzazate / Marokko (RP). In dieser Woche wird Sönke Wortmanns bisher aufwendigster Film in die deutschen Kinos kommen: "Die Päpstin" nach dem Bestseller von Donna W. Cross. Gedreht wurde der Film unter anderem in Marokko. Eine Reportage vom Set.
Dem Papst geht es besser. Schwungvoll wuchtet er seinen massigen Körper in dem thronartigen Bett zur Seite und verlangt nach Verköstigung. "Definitely not – auf keinen Fall", sagt der schmale Mönch an seiner Seite. Er sagt es entschlossen, aber still. Demütig hält er den Blick gesenkt. Dieser bescheidene Bruder will dem Papst nicht widersprechen, doch es geht um die Gesundheit des Stellvertreters Gottes.
Retten aber wird Bruder Johannes den Papst am Ende nicht. Einem Giftmord wird er zum Opfer fallen. Und ausgerechnet der bescheidene Ordensmann wird an seiner Stelle in das höchste Kirchenamt aufsteigen. Er wird es antreten, weil es längst zu spät ist, die Wahrheit zu gestehen: Bruder Johannes ist eine Frau.
Schnitt. Sönke Wortmann will die Szene wiederholen. Kurz bespricht sich der Regisseur mit seinem Kameramann, dann geht es weiter mit der Verfilmung des Bestsellers "Die Päpstin" von Donna W. Cross. John Goodman richtet sich auf im Papstbett, brummt noch ein paar Mal wie ein Kind, das noch nicht Auto sagen kann, dann sind die Gesichtsmuskeln gelockert.
Der junge Mönch streift die Daunenjacke ab, die man ihm über die Kutte gelegt hat. Johanna Wokalek ist bereit für den nächsten Versuch. Sie schaut ernst und konzentriert wie zuvor, als hätte es gar keine Unterbrechung gegeben. Ihr Gesicht ist blass geschminkt, die Haare sind kurz geschnitten, am Hinterkopf trägt die junge Schauspielerin Tonsur. "Quiet please!" ruft der Assistent. Sofort ist es wieder still im Lateran-Palast.
Der liegt allerdings nicht im trubeligen Rom, sondern in der Wüste Marokkos. Der kleine Ort Ouarzazate hat sich zu einem Geheimtipp für Filmteams entwickelt. In Marokko lassen sich kostengünstig Bühnenbilder erstellen, der Arbeitslohn ist niedrig, in der Wüste ist viel Platz. Und weil niemand darauf besteht, dass die Bühnenbilder nach dem Dreh wieder abgebaut werden, rüsten neue Teams die alten Kulissen auf ihre Bedürfnisse um. Auch die Bühnenbildner für "Die Päpstin" haben am Rande der Stadt eine mittelalterliche Szenerie entdeckt, die sie in den Platz vor dem Petersdom verwandeln konnten. Gleich nebenan sind die fauligen Armenviertel Roms nachgestellt.
Lateran aus Stein
Der Lateran-Palast dagegen ist aus Stein gemauert. Wortmanns Team hat kurzerhand das Filmmuseum von Ouarzazate in Beschlag genommen. Da gibt es eine bizarre Sammlung von Räumen im Dekor diverser Jahrhunderte. In einem dieser Räume wurde Goodman als Papst aufs Krankenlager gebettet.
Es geht ruhig zu am Set von Sönke Wortmann, keine Wutausbrüche, keine Endloswiederholungen. "Die Arbeit mit ihm ist sehr professionell", sagt David Wenham, der im Film den Helden "Gerold" spielt und gerade vor der Halle wartet. "Wortmann weiß genau, was er will, ist optimal vorbereitet, darum können wir zügig drehen."
Und so entspannt wirkt Wortmann dann auch beim Mittagessen in einem kleinen Dachgarten-Restaurant in Ouarzazate. Dass ihn das Buch gereizt hat, weil es einerseits in sehr ferner Vergangenheit spielt, andererseits von einem ganz modernen Frauenschicksal erzähle, sagt er. Schließlich sei auch die Päpstin eine Frau zwischen Karriere und Privatleben. Dass ein Film über einen weiblichen Papst religiöse Gefühle verletzen könne, glaubt er nicht.
"Film über weibliche Päpstin verletzt keine Gefühle"
Und auch die Querelen um Volker Schlöndorff, der den Film eigentlich drehen sollte, belasten ihn nicht. Schlöndorff hatte öffentlich kritisiert, dass große Kinoproduktionen heute meist nur noch finanzierbar sind, wenn sie zugleich als Fernseh-Mehrteiler produziert werden. Daraufhin trennte sich die Produktionsfirma Constantin von Schlöndorff, Wortmann trat an seine Stelle. "In der Wirtschaft zum Beispiel ist es ganz normal, dass Projekte weitergegeben werden", sagt Wortmann. "Dies ist mit Abstand mein größter Film. Das bedeutet hohe Verantwortung, aber auch enorme Freude an der Arbeit."
Später am Tag sind Teile dieser Arbeit schon einmal zu besichtigen. In einem Zimmer im großen Wüstenhotel, in dem das ganze Filmteam untergebracht ist, sichtet Wortmanns Cutter erstes Material: Eine Frau wird grausam im See ertränkt. Man hatte sie für eine Hexe gehalten. Die Szene spielt in einem dunklen Wald – keine Nachbildung aus Marokko. Gedreht wurde auch in Sachsen-Anhalt sowie in der Eifel.
Und dann ist noch eine Massenszene in Rom zu sehen, ohne Computertricks, gefällig choreografiert. Gut möglich, dass "Die Päpstin" nicht nur Wortmanns teuerster Film wird, sondern zumindest filmtechnisch auch sein beeindruckendster.
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