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Filmkritik: Zweiohrküken im Stress

VON BARBARA GROFE - zuletzt aktualisiert: 04.12.2009 - 10:20

Düsseldorf (RP). Mehr als sechs Millionen Kinozuschauer haben Til Schweigers Film "Keinohrhasen" gesehen. Jetzt geht die Geschichte von Aufreißer Ludo und Freundin Anna in die nächste Runde. Rosig ist längst nicht mehr alles.

Am stärksten ist das Ende. Wenn der Beziehungsterror zwischen Ludo und Anna vorbei ist, wenn sie am Meer sind und zurückschauen auf den Anfang als Paar. Wenn das Licht stimmt, die Bilder und die Musik. Dann ist das gute "Keinohrhasen"-Gefühl wieder da. Und der "Zweiohrküken"-Stress ist weg.

Zwei Jahre sind vergangen seit "Keinohrhasen", seit Boulevardjournalist Ludo Dekker und Erzieherin Anna Gotzlowski sich verliebt haben. Jetzt ist der Alltag da und alles Unschöne: Das Paar lebt zusammen, streitet über den Müll, schmutzige Fußballschuhe und die dauernde Nörgelei des anderen.

Als die Expartner von Ludo und Anna auftauchen, läuft die Sache aus dem Ruder. Anna liest Ludos SMS, Ludo stöbert in Annas Tagebuch. Jetzt geht es um Vertrauensverlust, Kontrolle und Fremdgehen, nicht mehr nur um die große Liebe, die einen schmierlappigen Schreiberling und eine Öko-Frau mit Katzenstrickjacken zusammenbringt.

Der Vorgängerfilm war spielerischer. Leichter. Positiver. "Zweiohrküken" hat es nicht nur schwerer, weil es die Fortsetzung eines extrem erfolgreichen Films ist, sondern auch wegen des Themas. Beziehungsstress ist nicht hübsch und kuschelig. Trotzdem hat Til Schweiger mit "Zweiohrküken" einen oft lustigen Film gemacht. Nicht hochgeistig lustig oder feinsinnig, sondern eher mit deftigem Pennälerhumor.

Die besten Szenen hat Matthias Schweighöfer, der Ludos Freund Moritz spielt. Und der sich beim Besuchen eines Flirtkurses (mit einem herrlich ekligen Uwe Ochsenknecht als Lehrer) oder beim Ansprechen von Frauen charmant zum Deppen macht. Ein weiteres Highlight ist Nora Tschirner. Ihre Anna trägt zu enge Unterwäsche und scheußliche Strümpfe, zieht Grimassen, wenn sie unsicher ist, und nervt mit ihrem Hang zum Zerreden.

In "Keinohrhasen" mochte man Ludo, auch wenn er sich übel benommen hat. Anna fand man reizend, auch wenn sie Gefühlsautistin war. Im neuen Film aber muss man die Figuren nicht immer mögen. Das entspannt.

Dass "Zweiohrküken" erfolgreich wird, ist wahrscheinlich. Und auch wenn die Geschichte albern sein mag oder dünn: Schweiger ist es zu gönnen. Nicht weil er für seine Filme regelmäßig niedergemacht wird. Sondern wegen einer Besetzung, die fast perfekt ist (Ausnahme: Ken Duken als Annas Ex Ralf), wegen großer Liebe zum Detail bei Bildern, Licht und Musik. Und weil Schweiger Filme für viele Menschen macht, die funktionieren.

Quelle: RP

 
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