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Venedig
Venedig zeigt Menschen in Ausnahmesituationen

Fotos: Nastassja Kinski gibt sich in Venedig die Ehre
Fotos: Nastassja Kinski gibt sich in Venedig die Ehre FOTO: afp, mlm
Venedig. Der einzige Animationsfilm im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Venedig könnte Chancen auf einen der Hauptpreise haben. "Anomalisa" kreist um einen Mann in der Sinnkrise. Er ist erfolgreicher Autor und Motivationsredner, doch sein eigenes Leben erscheint ihm leer und gleichförmig. Dann aber trifft er auf eine Frau, die anders wirkt als alle anderen um ihn herum. Gedreht in aufwendiger Stop-Motion-Technik, bei der die Spielfiguren in jeder Einstellung neu arrangiert werden, entwirft "Anomalisa" ein präzises Abbild des menschlichen Lebens.

Regie führten die US-Amerikaner Charlie Kaufman und Duke Johnson. Kaufman ist bekannt für seine vielschichtigen Drehbücher für Erfolgsfilme wie "Being John Malkovich". 2005 gewann er den Oscar für das beste Originaldrehbuch zu "Vergiss mein nicht". Die Geschichte von "Anomalisa" mag dabei nicht ganz so schräg sein wie Kaufmans frühere Werke. Dennoch gelingt es dem 56-Jährigen, seine Charaktere erneut komplex darzustellen und ihnen sehr nahe zu kommen.

Während der Italiener Marco Bellocchio (75) mit dem behäbig inszenierten Drama "Sangue del mio sangue" enttäuschte, hinterließ der Türke Emin Alper in der Löwen-Konkurrenz einen stärkeren Eindruck. Der 41-Jährige überspitzt in "Abluka" Elemente der gegenwärtigen Situation des Landes und entwirft eine düstere Version der modernen Türkei: Istanbul scheint in einer Art Bürgerkrieg zu sein, der Staat bekämpft seine Gegner als Terroristen.

Das Filmfest Venedig endet am 12. September mit der Preisverleihung.

(dpa)
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