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Venedig
Lateinamerika triumphiert bei Filmfest in Venedig

Fotos: Michelle Hunziker und Tomaso Trussardi turteln in Venedig
Fotos: Michelle Hunziker und Tomaso Trussardi turteln in Venedig FOTO: dpa, mau hk
Venedig. Venedig ist das älteste Filmfestival seiner Art, aber auch hier gilt, dass Alter nicht vor Überraschungen schützt. Mit dem Goldenen Löwen für das venezolanische Drama "Desde allá" ("From Afar") ging tatsächlich zum ersten Mal in der Festivalgeschichte die höchste Auszeichnung nach Lateinamerika. Von Barbara Schweizerhof

Als der Jury-Vorsitzende, der mexikanische Regisseur und Oscar-Preisträger Alfonso Cuarón ("Gravity"), die Entscheidung verkündete, war das Erstaunen zunächst groß. Den Film des Regiedebütanten Lorenzo Vigas, der eine schwierige Männerbeziehung zwischen Gewalt, Missbrauch und Rache zeigt, hatten die Wenigsten als Preiskandidaten auf dem Schirm.

Doch über die anfänglichen Buhrufe hinweg setzte sich schnell die Erkenntnis durch, dass mit dem lateinamerikanischen Preisträger das stets sehr euro-lastige Festival nun eine längst fällige Öffnung vollzieht.

Mit dem Silbernen Löwen für die beste Regie an den Argentinier Pablo Trapero gewann ein weiterer Südamerikaner einen der Hauptpreise. Zwar hatte Traperos "El clan" ("The Clan") das Publikum am Lido eher gleichgültig gelassen. Die Verfilmung des wahren Kriminalfalls um einen Patriarchen, der brutale Menschenentführungen als lukratives Familiengeschäft betrieb, ist in Argentinien selbst aber bereits ein Hit an den Kinokassen.

Interessanterweise schneidet er wie "From Afar", der Preisträger aus Venezuela, das Thema der übermächtigen, gewalttätigen Väter an, stellvertretend für das totalitäre Erbe der Militärdiktaturen, deren Folgen auf dem ganzen Kontinent noch zu spüren sind.

Als einer der Höhepunkte des Festivals war "Anomalisa" von den Amerikanern Charlie Kaufman und Duke Johnson gefeiert worden. Entsprechend groß war der Jubel über die Vergabe des Großen Preises der Jury, sozusagen der Silbermedaille des Festivals, an den Animationsfilm, der mit den "kindlichen" Mitteln der Puppen- und Stop-Motion-Technik ein erwachsenes Drama über Einsamkeit, Midlife-Crisis und Entfremdung erzählte. Unter den konventionellen Beiträgen dieses Festivals stellte "Anomalisa" einen der originellsten Filme dar. Als herausragend wird dieser Jahrgang nicht in die Geschichte eingehen.

(epd)
 
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