Studie über Familiengeschichte wird erstellt: Flick-Collection wird im September eröffnet
zuletzt aktualisiert: 13.07.2004 - 22:12Berlin (rpo). Für viel Wirbel hat die "Friedrich Christian Flick Collection" gesorgt. Jetzt steht fest, dass eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen zur zeitgenössischen Kunst wie geplant ab September in Berlin zu sehen sein wird.
Von außen sieht das Gebäude wie ein großer, schwarzer Container aus. In der Nachbarschaft liegen ein Zementwerk, ein Abholmarkt für mediterrane Lebensmittel und ein Kfz-Service. Ab Ende September wird in den ehemaligen Speditionshallen im Gewerbegebiet hinter dem Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart in Berlin die "Flick Collection" zu sehen sein. Noch wird in den Rieckhallen - die der Sammler für 7,5 Millionen Euro umbauen lässt - gebohrt, gehämmert und gemalert. Man werde bis 22. September "mit allem fertig sein", kündigte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, am Dienstag bei der Baubegehung in Berlin an.
Wenn die Kunst da sei, werde man eine andere Diskussion haben, zeigte sich der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, überzeugt. Mit teils heftigen Reaktionen war die Präsentation der Collection kommentiert worden, weil der Großvater des Kunstsammlers, Friedrich Flick, zu den größten Rüstungslieferanten des NS-Regimes gehört hatte. Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden, hatte beispielsweise kritisiert, Industriellen-Erbe Flick wolle mit der Ausstellung die Geschichte seiner Familie "reinwaschen".
Er finde die Debatte, wie sie in einigen Aspekten eskaliert sei, "außerordentlich schwierig", betonte Lehmann. Es gehe aber um eine Verantwortung, "die wir auch wahrnehmen wollen". Eine solche Auseinandersetzung zu führen, sei gerade für Deutschland wichtig. Kunst dürfe allerdings nicht über die Interpretation der Familiengeschichte zugänglich gemacht werden.
Nun soll diese durch eine Studie des Instituts für Zeitgeschichte in München aufgearbeitet werden, wie Lehmann ankündigte. Zudem wird die Präsentation von einem Begleitprogramm flankiert, das unter anderem Veranstaltungen der Bundeszentrale für politische Bildung beinhaltet.
Je nach Zählweise 2.000 bis 2.500 Werke zeitgenössischer Kunst umfasst die nach den Worten von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) weltweit einmalige Sammlung. Darunter sind Exponate von Bruce Nauman, Nam June Paik, Dieter Roth, Cindy Sherman, Pipilotti Rist, Marcel Duchamp und Jason Rhoades. Mit der Präsentation in Berlin werde die Sammlung erstmals auch "sichtbar" sein, betonte der Ausstellungs-Kurator und Leiter des Hamburger Bahnhofs, Eugen Blume.
Etwa ein Drittel der Collection wird als Auftaktveranstaltung der siebenjährigen Zusammenarbeit mit Flick ab 22. September im Hamburger Bahnhof und in den über eine Brücke angeschlossenen Rieckhallen auf einer Fläche von rund 13.000 Quadratmetern präsentiert. Der vier Monate dauernden Schau folgen "jährliche Szenenwechsel" in den etwa 6.000 Quadratmeter umfassenden Rieckhallen, die dann ausschließlicher Ausstellungsort sein werden. Die "Zuständigkeit" für die Präsentation liege eindeutig bei den Ausstellungsmachern, die auch die Kosten hierfür und den Unterhalt des Gebäudes trügen, betonte Lehmann.
Fünf Räume im Ober- und drei im Kellergeschoss mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen werden die Werke beherbergen. Schlichte weiße Wände, ein Asphalt-Fußboden - "Licht und Wände, nicht Foyers und große Fassaden" - prägen die neue 300 Meter lange Kunsthalle, wie Architekt Wilfried Kühn betonte. Es sei ein "Industriecontainer, der der Kunst dient".
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