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Frankfurt
Ein Prachtband zwischen Himmel und Hölle

Frankfurter Buchmesse 2016: "Angelus & Diabolus" wird heute präsentiert
FOTO: Krebs, Andreas
Frankfurt. Eine der gewichtigsten Neuerscheinungen ist der elf Kilo schwere Band "Angelus & Diabolus". Heute wird er in Frankfurt präsentiert. Von Lothar Schröder

Wahrscheinlich liegt es auch nur am Thema, dass das Buch so riesig geraten ist. Und so gewichtig. Und so opulent. Weil eben auch die Geschichte von Engeln und Teufeln, die es zeigt und erzählt, seit Menschengedenken so enorm und gewaltig ist.

Der heute auf der Buchmesse erstmals präsentierte Prachtband "Angelus & Diabolus" ist ein Buch zwischen Himmel und Hölle. Ein schwelgerischer wie großzügiger Rundgang durch eine 2000-jährige christliche Kunstgeschichte. In ihr wurde nicht so sehr danach gefragt, ob es die guten oder fiesen Fabelwesen nun auch wirklich gibt. Vielmehr haben sich die Menschen bis heute von himmlischen Gestalten angezogen wie von den finsteren Dämonen abgestoßen gefühlt. Faszinierend aber waren alle. Denn Engel und Teufel dienten der Kirche nicht nur als probates Anschauungsmaterial für die Folgen eines guten oder schlechten Lebens. Die Fabelwesen markieren immer auch die Eckpunkte unserer Fantasie und unserer Psyche. Und wem sie abhanden kommen, der fühlt sich dann manchmal nicht nur sprichwörtlich von allen guten Geistern verlassen.

Doch da sind wir schon zu schnell in die dämonische Welt vorgedrungen mit einem Prachtband auf den Knien, der elf Kilogramm wiegt und dessen dicke Lesebänder - nicht ganz unpassend - an ein Messbuch erinnern. Rolf Toman hat das Buch herausgegeben, und Achim Bednorz ist in den Museen und Kirchen Europas auf fotografische Spurensuche gegangen. Es ist eine unglaubliche Reise geworden: 150.000 Kilometer legte er zurück für ein Buch, an dem zehn Jahre gearbeitet wurde. Die Herstellungskosten sollen bei rund einer Million Euro liegen.

Eine Gigantonomie, die angemessen erscheint; und eine Akribie, die in der hohen Qualität der Bilder - darunter auch einige aufklappbare Altarfalze, die es dann locker auf über einen Meter Breite bringen - sofort erkennbar wird.

FOTO: Krebs, Andreas

Zwei Deckel hat das Buch: himmlisch blau ist es vorn und teuflisch rot auf der Rückseite. Und dazwischen explodiert die Fantasie der vielen Maler und Bildhauer. Denn auch das gehört zu diesen Wesen: Sie sind weder Menschen noch Gott und bewohnen so eine Art Zwischenreich. Vornehmer gesprochen: Sie sind unser Brückenschlag zwischen der irdisch-erfahrbaren und der transzendenten Welt. Ihre Gestalt ist auch darum immer nur jene, die wir und die Künstler ihnen geben.

Kurzum, fast alles war und ist in ihrer Darstellung möglich. Anders als viele biblische Gestalten sind Engel und Teufel weitgehend befreit von dogmatischen Vorgaben. Das gab der Phantasie viel Nahrung, wie es unter anderem in den unfassbaren Bilderwelten eines Hieronymus Bosch und Matthias Grünewald zum Vorschein kommt. Auf ihren Bildern treten uns unsere eigenen Ängsten, Hoffnungen und Visionen gegenüber. Schauerlich und schön.

Der Mensch ist nicht immer so souverän, das Unbegreifliche als unbegreiflich zu akzeptieren. Man hat also früh begonnen, sich einen, das heißt seinen Reim auf Engel und Teufel zu machen. Gerade im Mittelalter - eine Zeit von noch ungebrochener Gottesgewissheit - waren Bilder beliebt mit Engelhierarchien. Ihre Welt sollte zum Spiegel der bekannten irdischen Ordnung mit König und Kaiser werden.

Das Buch betritt trotz seiner über 800 Seiten und 1100 Farbfotografien kein kunstgeschichtliches oder theologisches Neuland. Doch wer die Bilderreise vom Schutzengel, Seelenbegleiter und apokalyptischen Verkünder auf der guten und von Satan und Drachen auf der finsteren Seite antritt, begreift viel vom Wesen des Glaubens und der Hoffnung des Lebens. Man findet bald sein Lieblingsbild, wie es auch Achim Bednorz gefunden hat. Das ist das Mosaik der Schöpfungskuppel von San Marco in Venedig. "So schön ist es, sagt der Fotograf, "dass man denkt: Wie kann ein Mensch so etwas erschaffen."

Quelle: RP
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