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Frankfurt
Die größte Buch-Börse der Welt

Frankfurter Buchmesse 2016: Die größte Buch-Börse der Welt
FOTO: los
Frankfurt. Über 700 Agenten entscheiden derzeit, was wir demnächst lesen können. Von Lothar Schröder

So karg hätte man sich die weltgrößte Buchmesse dann doch nicht vorgestellt. Hinter 35 Reihen stehen jeweils 15 schmucklose Resopaltische. Und kein Buch, nirgends. In der geheimsten und auch abgeschirmtesten Halle der Messe mit der Bezeichnung 6.2 geht es auch nicht um so etwas wie die schöne Literatur, sondern um die Literatur als Geschäft: Das sogenannte Literary Agents and Scouts Centre (LitAg) ist das größte Rechtezentrum der Welt. Über 700 Agenten aus etwa 30 Ländern bestimmen genau hier und jetzt, was wir in den nächsten Jahren zu lesen bekommen werden.

Hier geht es um Millionen. Vor allem um die Rechte etwa am neuen Stephen King und anderen, manchmal auch um die Vermittlung künftig großer Autoren. Vorschüsse in zweistelliger Millionenhöhe für ein noch gar nicht geschriebenes Buch sind zwar äußerst selten, aber keineswegs ausgeschlossen.

So international sich das Zentrum auch gibt, so stark wird es immer noch dominiert von Akteuren der englischsprachigen Welt. Diese stellt die Hälfte aller Agenten. Auch aus diesem Grund gibt es seit drei Jahren das Projekt LitAg im German Book Office in New York. Seine Arbeit scheint erste Früchte zu tragen. So konnten im vergangenen Jahr deutsche Verleger insgesamt 7521 Lizenzverträge mit dem Ausland abgeschlossen. Das sind 16,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Auf dem wichtigsten Literaturmarkt der Welt geht es zu wie auf einer Börse. Auf den Gängen wird dieses erzählt und jenes gehört. Oft entscheidet sich schon hier der Marktwert eines Buches, sagt uns die Berliner Agentin Astrid Poppenhausen. Fünf Minuten räumt sie uns zwischen zwei Terminen ein, und dass es am Ende sieben werden, ist ein kleiner Glücksfall. Weil Zeit Geld ist und so ein Tischchen über 1000 Euro Miete kostet, geht auch niemand zum Essen. Schmale Catering-Wagen werden durch die Reihen geschoben. Im Angebot: Stilles Wasser, Bio to go, Müsli. Zehn Stunden ohne Pause wird verhandelt, Termine gibt's im 30-Minuten-Takt.

Da Verlage möglichst früher an die Rechte kommen wollen als die Konkurrenz, beginnen viele Agenten schon am Montag mit dem Job, wenn in den Messehallen die Verlagsstände erst noch aufgebaut werden. Die ersten Deals werden dann nicht auf der Messe abgeschlossen, sondern in den Lobbys der teuersten Hotels, sagt Poppenhausen. Im Mittelpunkt: das Steigenberger "Frankfurter Hof". Dort spielen dann auch die Zimmerpreise keine Rolle mehr. Ab 400 Euro die Nacht werden gerne bezahlt, um mitten im Geschehen zu sein. Allerdings ist es schwierig, überhaupt ein Bett zu ergattern. Die Zimmer werden unter Agenten vererbt, heißt es. Bis tief in die Nacht wird dort verhandelt, manchmal bis in die frühen, gelegentlich auch bis in die späteren Morgenstunden.

Die nächste Autorin wartet. Das Geschäft geht für Astrid Poppenhausen weiter. Auf der Messe noch bis zum Abend - und anschließend in den Lobbys der schicken Hotels.

Quelle: RP
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