Gründer der Agentur Magnum wurde 95 Jahre alt: Französischer Fotograf Henri Cartier-Bresson gestorben
zuletzt aktualisiert: 05.08.2004 - 06:16Paris (rpo). Er und seine Fotos waren weltberümt. Er hatte den Blick für den richtigen Moment. Jetzt ist der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson kurz vor seinem 96. Geburtstag gestorben.
Wie Freunde des Künstlers am Mittwoch mitteilten, starb der Gründer der Fotoagentur Magnum am Dienstag im Alter von 95 Jahren in seinem Haus "Le Claux" in Céreste im südostfranzösischen Département Alpes-de-Haute-Provence. Demnach wurde er am Mittwoch im engsten Kreis beigesetzt. Cartier-Bresson gilt als einer der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts. Er wäre am 22. August 96 Jahre alt geworden.
Der 1908 als Sohn eines Industriellen in Chanteloup östlich von Paris geborene Cartier-Bresson studierte zunächst Malerei, bevor er sich ab den 30er Jahren der Arbeit mit der Kamera widmete. 1931 zog es den jungen Künstler für ein Jahr in die afrikanische Kolonie Elfenbeinküste, wo er seine ersten Bilder aufnahm.
Zurück in Frankreich legte er sich eine Leica-Kamera zu, die zu seinem Markenzeichen wurde. Auf zahlreichen Reisen, unter anderem nach Mexiko, in die USA und nach Spanien, machte er Fotoreportagen. Er wurde zu einem der Pioniere der damals noch neuen Kunstform Fotografie.
Nach seiner Einberufung als Soldat 1939 geriet Cartier-Bresson während des Zweiten Weltkriegs 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Flucht drei Jahre später schloss er sich dem französischen Widerstand an.
Nach Kriegsende gründete er 1947 in Paris gemeinsam mit seinen Kollegen Robert Capa, David Seymour, William Vandivert und George Roger die Agentur Magnum, die bis heute Standards im Bereich Fotoreportage setzt.
Cartier-Bresson porträtierte zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, unter ihnen Jean-Paul Sartre, Henri Matisse und Edith Piaf. Bekannt war der Fotograf dafür, stets im "entscheidenden Moment" auf den Auslöser zu drücken - so lautete auch der Titel einer seiner wichtigsten Fotoserien. Seine intimen, in ihrer Komposition wohl durchdachten Schwarz-Weiß-Bilder zählen zu den berühmtesten Fotos der Welt. 1981 erhielt er in Frankreich den Großen Preis für Fotografie.
Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt derzeit eine Retrospektive mit Werken Cartier-Bressons. Angesichts des Todes erwägt das Museum, die Schau zu verlängern, wie ein Sprecherin am Mittwochabend der Nachrichtenagentur AFP sagte.
Die Entscheidung hänge unter anderem von den Leihgebern der Exponate ab. Die Ausstellung sollte bisher nach drei Monaten am 15. August ihre Pforten schließen. Seit Mitte Mai haben rund 70.000 Menschen die Ausstellung besucht, in der mehr als 350 Werke Cartier-Bressons gezeigt werden.
Im vergangenen Jahr hatte die Henri-Cartier-Bresson-Stiftung im Pariser Viertel Montparnasse ihre Pforten geöffnet. Dort werden mehr als tausend Originalfotos sowie Kontaktabzüge, Filme, Manuskripte und Briefe gezeigt.
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