Im Alter von 74 Jahren: Französischer Philosoph Jacques Derrida ist tot
zuletzt aktualisiert: 09.10.2004 - 17:19Paris (rpo). Jacques Derrida ist tot. Wie Vertraute des französischen Denkers bekanntgaben, starb der Philosoph in der Nacht zum Samstag an einem Krebsleiden. Mit Derrida wird in den Geisteswissenschaften vor allem der so genannte Dekonstruktivismus in Verbindung gebracht.
Derrida sei in der Nacht zum Samstag im Alter von 74 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben, teilten Vertraute des Philosophen in der französischen Hauptstadt Paris mit. Der 1930 in Algerien geborene Derrida war im Ausland der bekannteste französische Denker; besonders in den Vereinigten Staaten hatte er sich durch sein Konzept der "Dekonstruktion" einen Namen gemacht. Zu seinen Werken gehören "Die Schrift und die Differenz", "Grammatologie", "Marx' Gespenster" sowie "Vom Geist: Heidegger und die Frage".
Der Kultur- und Sprachphilosoph wurde bekannt, weil er die abendländische Metaphysik in Frage stellte. Er ging davon aus, dass es in der Literatur - wie auch in der Musik, der Kunst und der Architektur - mehrere Bedeutungen gebe, die der Schaffende nicht zwangsläufig gewollt oder selbst verstanden habe. "'Dekonstruieren' heißt, eine Vorstellung, eine Einrichtung oder einen Wert zu nehmen und seinen Mechanismus zu verstehen, indem man den Zement entfernt, aus dem er gemacht ist", fasste ein Kritiker einmal zusammen. Beeinflusst wurde Derrida in seinem Ansatz vom Philosophen Martin Heidegger und dem Psychoanalytiker Sigmund Freud.
Derrida wurde am 15. Juli 1930 in El Biar in Algerien geboren. Er studierte in Paris und ging anschließend als wissenschaftlicher Assistent an die Elite-Universität Harvard in die Vereinigten Staaten. Später lehrte er nicht nur an der namhaften École Normale Supérieure und der Sorbonne in Paris, sondern immer wieder auch als Gastprofessor in den USA. Derrida war mit einer Psychoanalytikerin verheiratet. Mit der Philosophin Sylviana Agacinski, der jetzigen Ehefrau des ehemaligen französischen Premierministers Lionel Jospin, hatte er einen Sohn.
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