Jugendbuch auf Bühne: Funkes "Drachenreiter" begeistert im Theater
zuletzt aktualisiert: 04.09.2005 - 12:52Bonn (rpo). Ihr "Tintenherz" hat die Leser begeistert, ihre "Wilden Hühner" wurden kürzlich in Köln verfilmt, "Der Herr der Diebe", ebenfalls von Deutschlands zurzeit populärsten Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke, läuft demnächst im Kino an. Und jetzt gibt es eine ihrer spannenden Geschichten sogar im Theater: Das Junge Theater Bonn (JTB) hat sich an den "Drachenreiter" gewagt.
Da das Theater schon "Der Herr der Diebe" erfolgreich für die Bühne umgesetzt hatte, durfte es auch den "Drachenreiter" für die Bühne bearbeiten. Am Freitagabend erlebte das Stück seine Premiere, die im fast voll besetzten T-Mobile Forum in Bonn stürmischen Applaus erhielt. Um aus 488 Romanseiten eine gut zweistündige Bühnenfassung zu erschaffen, kamen Intendant Moritz Seibert und Regisseur Marco Dott nicht umhin, den Stoff zu straffen und sich auf die Figur des Waisenjungen Ben zu konzentrieren. "Drachenreiter" erzählt von dem Jungen, der allein in einem alten Speicher in Hamburg lebt. Dort begegnet er eines Nachts dem sanften Silberdrachen Lung und dem frechen Koboldmädchen Schwefelfell. Weil die Drachen in Lungs schottischem Heimattal von den Menschen bedroht sind, suchen die beiden nach dem sagenumwobenen 'Saum des Himmels', der im Himalaya liegen und die letzte Zufluchtsstätte für Drachen sein soll. Weil Ben so gut Karten lesen kann, nehmen die beiden ihn mit auf die lange Reise, auf der viele Abenteuer warten.
Das Besondere an der Inszenierung, der bisher aufwändigsten in der JTB-Geschichte: Neben fünf Kindern und einigen erwachsenen Darstellern wirken auch sieben Puppen mit. Dabei agieren die Figuren samt den stets sichtbaren Puppenspielern selbstverständlich mit den menschlichen Darstellern. Weil Lung eine bewegliche Großskulptur mit schwerem Drachenkopf ist, benötigt der Puppenspieler Michael Schmidt sogar eine Assistentin, die den geflügeltem Rumpf über die Bühne stemmt.
Ägyptische Wüste und buddhistisches Kloster
Stellt die Bühne zuerst einen Speicher dar, verwandelt sie sich später in ein orientalisches Gebirge, die ägyptische Wüste und ein buddhistisches Kloster. Die vorwiegend jungen Besucher folgen dem fantastischen Geschehen gebannt, alle mit großen Augen und manche sogar mit offenen Mündern. Der größten Herausforderung musste sich allerdings der Hauptdarsteller Arnold Trautwein stellen, hat er doch den größten Sprechpart und ist zudem in fast jeder Szene zu sehen. Obwohl der 13-jährige Bonner erstmals auf der JTB-Bühne stand und bisher 'nur' in Schultheateraufführungen aufgetreten ist, meisterte er die Herausforderung mit Bravour.
Ausgewählt wurden die jungen Darsteller aus Hunderten von Bewerbern. Die sorgfältige Arbeit mit dem Darstellernachwuchs zahlt sich für das JTB langfristig aus: In der abgelaufenen Spielzeit war es mit gut 70.000 Zuschauern das dritterfolgreichste Kinder- und Jugendtheater Deutschlands.
Die gelungene Uraufführung wird sicher auch dazu beitragen, die Autorin Funke hierzulande noch bekannter zu machen. Dabei hat die 46-Jährige aus Dorsten schon mehr als 3,8 Millionen Bücher verkauft, ihre Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Das US-Magazin "Time" wählte Funke kürzlich zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2005.
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