| 08.52 Uhr

"The Choice - Bis zum letzten Tag"
Gefühlsdusel und Postkartenbilder

Der Film "The Choice - Bis zum letzten Tag" nach Nicholas Sparks Bestseller ist so bekömmlich wie Strandlektüre im Urlaub. Von Renée Wieder

Die Verfilmung eines Nicholas- Sparks-Bestsellers hat immer etwas von Ferien in einem beliebigen Urlaubsresort, irgendwo am Meer. Die Landschaft leuchtet idyllisch im Hintergrund, die Sonnuntergänge überm Wasser sind eine Wucht in Rotgold und die Leute wirklich total nett, aber irgendwie sieht alles gleich aus. Auch deshalb sind die Romanbestseller, die Sparks so ungefähr im Jahrestakt ausspuckt, so eine beliebte Urlaubslektüre: Schmalz liest sich besonders gut unter Palmen.

"The Choice - Bis zum letzten Tag" ist die elfte der Sparks-Verfilmungen, die im Romantikgenre schon länger so etwas wie ihre eigene Subspezies darstellen. Das Rezept ist schlicht und wird, leicht variiert, mal besser, mal schlechter ins Bild gesetzt. Immer gibt es die Schicksalsliebe zweier schöner Hauptdarsteller plus ebenso schöne Nebendarsteller. Dazu Rudern im Schilf, Holzfällen in Shorts, Modelkörper in weißen Bikinis, Sternesuchen am Strand und ganz, ganz viel Sehnsucht. All diese Faktoren bringt "The Choice" in gewohnt epischer Breite mit. Und noch dazu so viel Genuss am Gefühlsdusel und zwei so herzig übermotivierte Darsteller, dass es eigentlich schon wieder ein Erlebnis ist.

"Abraham Lincoln: Vampirjäger"-Star Benjamin Walker ist Tierarzt Travis, ein aus unklaren Gründen bindungsphobischer Playboy, der nachmittags vor seiner Südstaatenvilla mit Freunden Grillpartys feiert und abends ein wenig verloren im Single-Gartenstuhl herumsitzt. So lange, bis die neue Nachbarin, Medizinstudentin Gabby (Teresa Palmer aus "Warm Bodies"), temperamentvoll heranstürmt. Gabby ist sauer ob des Grilllärms und der Schwangerschaft ihrer Hündin, für die sie Travis' Hund die Schuld gibt. Es folgt eine Reihe hitziger Wortgefechte über den Gartenzaun. So dauert es immerhin doch eine gute halbe Stunde, bis Gabby sich auf dem Küchentisch Travis in die wohlgeformten Arme wirft. Ihr verreister Verlobter (Tom Welling) gerät darüber ein kleines bisschen in Vergessenheit.

Eine Weile ist man als Zuschauer bereit zu glauben, dass das wirklich schon alles war, dass Gabbys lästiges Eheversprechen die im Titel versprochene "Entscheidung" erzwingen wird. Immerhin hat ein fast identischer Plot auch schon für den Sparks-Klassiker "Wie ein einziger Tag" mit Ryan Gosling und Rachel McAdams funktioniert. Und zwar so gut, dass beide Newcomer damit ihre Karrieren starten konnten. Aber auf Travis und Gabby wartet nach der schnell gelösten Verlobung und ein paar im Zeitraffer abgespulten, glücklichen Ehejahren eine echte Katastrophe: Nach einem nächtlichen Autounfall fällt Gabby ins Koma. Und lässt den verzweifelten Travis mit der undenkbaren Entscheidung allein, auf ein Wunder zu hoffen oder den Stecker zu ziehen.

So eine Handlung konstruiert zu nennen wäre vermutlich noch ein Kompliment. Für Regisseur Ross Katz, der in tiefgründigeren Zeiten tatsächlich "Lost in Translation" produziert hat, gelten die ehernen Gesetze der Edelschnulze, und er befolgt sie ohne Fehl' und Tadel.

Der Enthusiasmus, mit dem Benjamin Walker und Teresa Palmer an ihre Rollen gehen, verrät die Hoffnung, mit einer Sparks-Verfilmung ähnlich durchzustarten wie viele ihrer Vorgänger. Die Verve ist nicht einmal komplett verschwendet. Die beiden wachsen einem durchaus ans Herz, den Postkartenbildern und der zunehmenden Verflachung ihrer Charaktere zum Trotz.

Gabby, die anfangs sogar noch als komplexe Persönlichkeit durchgeht, entwickelt sich im Lauf des Films so willig zum verliebten Heimchen, als gäbe es so etwas wie Gleichberechtigung nicht und als hätten Emma Watson, Patricia Arquette oder Jennifer Lawrence niemals für bessere Rollen in Hollywood auf den Tisch gehauen. Benjamin Walker tut sein Bestes, um dem Gesicht über dem bronzebraunen Sixpack ein Profil zu geben, kann aber auch nicht Szenen ausgleichen wie die, in der Travis mit knuddeligen Hundewelpen auf dem Boden schläft. Mit mehr Tiefe und Stimmigkeit sind dagegen ein paar kleinere Rollen gestaltet, Maggie Grace zum Beispiel als Travis' pfiffige Schwester und Tom Wilkinson als sein einfühlsamer Vater. Auch wenn Wilkinsons Nebenplot als einsamer Witwer doch gelegentlich ein paar Wolken aufziehen lässt am blitzblauen Himmel über North Carolina. Dieser traurige Mann, das sieht manchmal fast schon nach Schatten und Schwermut aus und - nun ja, das ist gar nicht schön.

Quelle: RP
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