| 08.21 Uhr

Salzburg
Gerhahers grandioser Liederabend

Salzburg. Der Münchner Bariton widmet sich in Salzburg Robert Schumann. Von Wolfram Goertz

In Liederabenden führt das Unglück der Helden regelmäßig zur Erbauung des Publikums. Der eine verliert seine Liebste. Der andere fällt in tiefe Einsamkeit. Der dritte trägt des Daseins schwere Last. Robert Schumann hat diese schwarzen Zonen der Lyrik sein ganzes Leben über regelmäßig aufgesucht - und wer sich kummerbereit überzeugen will, dass in manchen Konzerten die Traurigkeit tatsächlich nimmer aufhört, der geht nun zum Salzburger Liederabend von Christian Gerhaher, dem wohl bedeutendsten Bariton der Gegenwart.

38 Lieder inklusive Zugaben - das ist eine weite Welt, die Gerhaher mit seinem fabelhaften Begleiter Gerold Huber durchmisst. Damit das nicht langweilig oder gar depressiv gerät, braucht ein Sänger viele Farben, und er braucht Überzeugungskraft, damit das lyrische Ich zu einer plastischen Gestalt gerät. Gerhaher gelingt es erneut einzigartig, Räume der Imagination zu öffnen, in denen etwa der Narr sein Schlusslied singen kann, der Jüngling das Himmelslicht erlöschen sieht oder der Schmied sein Rösslein beschlägt. Immer ist der Tod der Gefährte dieser Erkundungen, die Romantiker hatten ja nah am Wasser und noch näher am Grab gebaut.

In Liedern von Heine, Lenau, Goethe und Kerner gewährt Gerhaher diesen traurigen Helden seine ganze Empathie. Er ist sozusagen kein Abstandhalter, sondern ein teilnahmsvoller Arzt. Aber seine Zuneigung wird nicht überwältigt von Gefühlen, es bleibt ein Hauch von Diskretion, Zurückhaltung, Respekt. Das Ich geht unter, nicht der Sänger. Gelegentlich blitzt Leidenschaft aber doch auf, etwa wenn bei Heine die Flammen schlagen, da zwei Liebende ihre Wangen aneinander halten. Dann führt Gerhaher seine Stimme enthusiastisch in die Höhe, wo sie dank kluger Führung tenorale Bereiche erklimmt.

Solche Abende können nur in maximaler Eintracht zwischen Sänger und Begleiter gelingen. Nun, Gerhaher und Huber wurden beide 1969 in Straubing geboren, beide sind sozusagen ein Sandkastengespann. Gemeinsam haben sie alles erlebt. Sie kennen und vertrauen einander blind. Daraus erwächst auch diesmal höchste Kunst. Riesiger Beifall.

Quelle: RP
 
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