Publizist ist entsetzt: Giordano: "Schlingensief ist geschmacklos!"
zuletzt aktualisiert: 19.11.2004 - 12:30Berlin (rpo). Geradezu entsetzt ist Ralph Giordano über das neueste Theaterprojekt von "Troubleshooter" Christoph Schlingensief. Der 81-jährige Publizist und Schriftsteller äußerte sich negativ zu "Kunst und Gemüse, A. Hipler", das am Mittwoch in Berlin Premiere feierte.
Giordano sagte der Berliner Zeitung "B.Z.", in dieser Zeit inflationärer Geschmacklosigkeit ringe sich Schlingensief mit seiner in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz uraufgeführten Theatercollage "Kunst und Gemüse, A. Hipler" die geschmackloseste von allen ab.
Ansatzpunkt der Kritik ist eine glühend leuchtende Attrappe der beiden Türme des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers in New York. Schlingensief sagte der Zeitung zur Erläuterung des Bühnenbildes: "Es ist an der Zeit, dass Afrikaner den 11. September nachspielen, denn die Toten vom World Trade Center stehen in keinem Verhältnis zu den Menschen, die jeden Tag in Afrika sterben, auf deren Rücken wir unseren Reichtum aufbauen".
Giordano kritisierte, die Kausalität, die Schlingensief zwischen dem Massenmord des 11. September und den Nöten von Afrikanern herzustellen versuche, sei eine "erbärmliche Konstruktion" und verrate nichts anderes "als Schlingensiefs totale innere Beziehungslosigkeit zu Opfern jedweder Art". Schlingensief sei offenbar "nicht zu rehumanisieren".
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