Erste westliche Kulturvertretung: Goethe-Institut eröffnete Lesesaal in Nordkorea
zuletzt aktualisiert: 02.06.2004 - 18:27Berlin (rpo). Als erste westliche Kulturvertretung hat das Goethe-Institut am Mittwoch in der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang einen Lesesaal eröffnet. Institutspräsidentin Jutta Limbach übergibt den Saal am Donnerstag mit einer Rede seiner Bestimmung.
Der Lesesaal wird unter der Bezeichnung "Vermittlungsstelle für deutsche wissenschaftliche und technische Literatur im Goethe-Informationszentrum Pjöngjang" den Menschen in Nordkorea Informationen aus und über Deutschland anbieten. Die rund 8.000 Druckerzeugnisse zur deutschen Sprache, Kultur und Gesellschaft sowie die technisch-wissenschaftliche Literatur und die Zeitungen und Zeitschriften würden nicht zensiert und seien öffentlich zugänglich. Allerdings zählen die Nordkoreaner, die Deutsch beherrschen, im Allgemeinen zur privilegierten Staatselite. Institutssprecherin Susanne Sporrer sagte jedoch, die Einrichtung des Saales komme für Nordkorea, wo Information große Bedeutung habe, einer Sensation gleich.
Bereits im Jahr 2000 hatten einige westliche Länder, darunter Deutschland, mit Nordkorea diplomatische Beziehungen aufgenommen, unter anderem um den Reformprozess zu fördern. Mit der Einrichtung des Lesesaals will die Bundesregierung trotz der weiterhin bestehenden, teils gravierenden Probleme mit dem Atomwaffenprogramm Pjöngjangs und der Menschenrechte einen Beitrag zur Öffnung Nordkoreas leisten, wie das Auswärtige Amt erklärte. Das Goethe-Institut konnte mit seinem Schritt an die Kulturarbeit der DDR anschließen, die mit dem Regime in Pjöngjang enge Beziehungen unterhielt. Nordkorea unterhielt im Gegenzug bis zum Fall der Mauer eine der größten Botschaften in Ost-Berlin.
Das Goethe-Institut ist nach eigenen Angaben bisher mit 127 Instituten in 76 Ländern sowie mit 56 Lesesälen weltweit vertreten.
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