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Aix-En-Provence
Große Kunst fern der Metropolen

Aix-En-Provence. Die Highlights des Sommers von Südfrankreich bis in die Bretagne. Von Sabine Glaubitz

Pittoreske Straßen und ein mediterraner Sonnenuntergang: Den englischen Maler William Turner hat es auf seinen zahlreichen Reisen auch in die französische Provence gezogen. Dabei machte er auch in Aix-en-Provence Halt. Über 150 Jahre später findet nun in der südfranzösischen Stadt erstmals eine Turner-Ausstellung statt. Sie ist eine der Werkschauen, mit denen Frankreich im Sommer um Besucher buhlt. Ein Überblick.

"Turner und die Farbe" findet im Hôtel de Caumont mitten in Aix-en-Provence statt. "Das warme Licht und der blaue Himmel dieser Region haben den Künstler fasziniert", sagte der Kurator Ian Warrell. Der Meister der optischen und emotionalen Farbeffekte spiegelt sich in dem chronologisch und geografisch aufgebauten Parcours wider. In dem Herrschaftshaus, das 2015 zu einer Kunsthalle umfunktioniert wurde, werden rund 100 Aquarelle, Gouachen und Gemälde präsentiert.

Die ersten Werke von Turner (1775-1851) lassen noch eindeutig den Einfluss von Rembrandt und Tizian erkennen. Seine Italien-Reise 1819 führt zu einer radikalen Wende, wie die bis zum 18. September dauernde Werkschau zeigt. Der Romantiker wird zum Lichtmaler. In Aix-en-Provence hat er 1838 neben dem Glockenturm der Kirche Saint Jean-de-Malte auch die berühmte Prunkallee Cours Mirabeau gezeichnet.

In der Hafenstadt Sète in der Nähe von Montpellier bestreitet das Musée Paul Valéry seine Sommersaison mit "Max Ernst - Yves Tanguy. Zwei Visionen des Surrealismus". "Beide haben auf den Surrealismus mit einer ganz eigenen Ästhetik geantwortet", erklärte die Leiterin des Museums Maïthé Vallès-Bled. Gezeigt werden mehr als 70 Werke, viele stammen aus Privatsammlungen, manche sind erstmals zu sehen.

Ernst und Tanguy waren befreundet und flohen Ende der 1930er-Jahre nach New York ins Exil. Wie die bis zum 6. November dauernde Werkschau in Sète veranschaulicht, haben die beiden Surrealisten jedoch mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten. Yves Tanguy (1900-1955) stellte verschlüsselte Bildwelten dar, die an die Tiefen des Meeresgrundes erinnern oder an die Oberfläche fremder Planeten. Max Ernst (1891-1976) hingegen schuf bizarre Wesen und fantastische Landschaften, entwickelte Maltechniken wie Frottage, Grattage und Drip Painting.

In Landerneau bei Brest hat der Fonds Hélène & Edouard Leclerc rund 300 Arbeiten von Marc Chagall vereint. Unter dem Titel "Chagall. Von der Poesie zur Malerei" rückt die Ausstellung die enge Beziehung zwischen dem französischen Maler polnisch-jüdischer Herkunft (1887-1985) und der Literatur in den Fokus. Marc Chagall schrieb zeitlebens auch selbst Gedichte. Auf dem Weg zur Poesie habe er sein einzigartiges Werk geschaffen, wie der Kurator und Chagall-Spezialist Jean-Louis Prat anlässlich der Ausstellung sagt.

Im Dialog mit der Literatur hat Chagall herrliche Papierarbeiten und Gemälde geschaffen, wie die Bilderfolge zu "Die toten Seelen" von Nikolai Gogol illustriert. Ein Feuerwerk an Farben sind seine Blätter zu den "Fabeln" von Jean de la Fontaine und dem bukolischen Liebesroman des spätantiken Dichters Longos "Daphnis und Chloe". Im vergangenen Sommer hat die im Jahr 2011 gegründete Stiftung rund 500 Arbeiten von Alberto Giacometti präsentiert. Ab 11. Dezember steht übrigens der deutsch-französische Künstler Hans Hartung auf dem Programm.

(dpa)
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