| 07.07 Uhr

Düsseldorf
Gustav Mahler und seine riesenhafte 3. Symphonie

Düsseldorf. Zu den Eigenschaften mancher Kunstwerke zählt es, dass sie fortwährend mit größter Leidenschaft zu Ende gehen, aber nicht aufhören. Auch das Finale von Gustav Mahlers riesenhafter 3. Symphonie d-Moll ist ein Akt der Selbstberauschung durch Aufschub. Es gibt mehrere Stellen, die der Hörer als die erlösenden letzten Takte zu vernehmen meint - doch Mahler lässt dann das Seil locker, steigt vom Gipfelkreuz zurück in die Wand, um erneut das Finale des Finales anzusteuern. Eine Sisyphus-Anstrengung scheint das für die Musik nicht, vielmehr spürt man die Erregung des Komponisten, wenn er die Entladung der Lust hinauszögert. Und da dieser Schlusssatz "Was uns die Liebe sagt" überschrieben ist, mögen freie Geister an die raffinierte Kunst der Verlängerung leiblicher Wonnen denken. Von Wolfram Goertz

An diese Aspekte fühlte man sich jetzt in der Tonhalle erinnert, wo Ádam Fischer die Düsseldorfer Symphoniker in diesem Finale auf direktem Weg gen Ende führte. Der Maestro wählte nämlich ein strömendes Tempo, bei dem sich nichts staute und man umso unvermittelter zu jenen Wendestellen gelangte. Dies war eine einprägsame Version dieses Finales, bei dem sich Dirigenten oft einer Langsamkeit befleißigen, als drohe ihnen anschließend die Versetzung in den Ruhestand.

Der Mahler-Zyklus der Symphoniker wird auf CD gebannt, die Siebte und die Vierte liegen bereits vor, stets mischt der Tonmeister das Beste aus den drei Konzerten am Freitag, Sonntag und Montag zusammen. Vom ersten Abend in der Tonhalle wird er gesagt haben: "Da können wir schon viel Schönes nehmen." Es gab famose Holzbläser, eine meisterliche Solo-Posaune, hingebungsvolle Streicher. Großes Georgel vom Rang: das Altsolo von Anna Larsson. Feines Bimm-Bamm vom Podium: der Städtische Musikverein und der Clara-Schumann-Kinderchor.

Fischers Mahler zeigt zugleich Mut zur Hässlichkeit, Rauheit und Unschönheit (auch zur unfreiwilligen). Da wird nicht poliert, sondern wahrhaftig musiziert, dazu zählen auch Mahlers Fratzen. Ein Zuhörer meinte sich durch ein direkt nach dem Schlussakkord in den Saal gebelltes Bravo Unsterblichkeit auf CD gesichert zu haben. Auch diese Stelle wird der Tonmeister digital markieren und löschen, per Knopfdruck auf "Delete". Ein guter Knopf.

Quelle: RP
 
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