"Grandseigneur des literarischen Kabaretts": Hanns Dieter Hüsch: Der Poet vom Niederrhein
zuletzt aktualisiert: 06.05.2005 - 07:29Düsseldorf (rpo). Das Lieben, Beobachten, Hinterfragen und Kritisieren der Heimat im Niederrhein und die Eigenarten ihrer Menschen lag dem Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch im Blut. Schließlich kam der "Grandseigneur des literarischen Kabaretts" nahe der niederländischen Grenze in Moers zur Welt. In einem Film über seine Heimat bekannte er: "Alles, was ich bin, ist niederrheinisch". Am Freitag wird das "Schwarze Schaf vom Niederrhein" 80 Jahre alt.
Der Künstler, dessen Credo lautet: "Überall ist Niederrhein" ist leider aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, an den zahlreichen Veranstaltungen und Galas ihm zu Ehren teilzunehmen. In seiner Bühnenlaufbahn und unzähligen Bühnenprogrammen widmete er sich mit feiner Ironie und mit großer Liebe den kleinen Leuten der Region, die er dabei nie verspottete. Das Alltägliche liegt ihm am Herzen. Dabei entlarvt er das kleinbürgerliche Spießertum, hält den Menschen den Spiegel vor. Über 50 Jahre tingelte der fahrende Poet unermüdlich von Bühne zu Bühne, immer dabei seine kleine Tischorgel.
Er erzählte vom Niederrheiner, der "nix weiß, aber alles erklären kann", und von Honigtöpfen, die immer kleben. Und spätestens nach einer halben Stunde fragte sich der aufmerksame Zuhörer, "woher kennt der meine Oma". Kurz gesagt: Wenn es den Niederrheiner nicht gebe, Hüsch hätte ihn erfunden. Dabei wandte er sich stets gegen Engstirnigkeit, warb für Toleranz.
Politik kommt in seinen Programmen eher indirekt vor. Er offenbart die Schwachstellen in der Gesellschaft, will "Irritation, Nachdenklichkeit und Betroffenheit" bei seinen Zuhörern erzielen. Für seine Art des Kabaretts war während der 68er-Studentunruhen dann offenbar kein Platz - sie brachte ihm den Vorwurf eines "bourgeoisen Verniedlichungstrends" ein. Sein Programm wurde als "Kitschgemüt mit Goldbrokat" ausgebuht. In den 70ern machte sich Hüsch dann auch rar auf den Kleinkunstbühnen, widmete sich anderen Projekten und synchronisierte unter anderem die Fernsehstummfilm-Serie "Dick und Doof".
Hüsch war hineingeboren worden in diese kleinbürgerliche Welt am Niederrhein, die seine Programme so prägte. Als Sohn eines preußischen Beamten wuchs er "zwischen schwarzweißen Kühen, Windmühlen und alterschwachen Bauernhäusern" auf.
Eigentlich sollte er Mediziner werden - doch es zog ihn zu den schönen Künsten. Das Medizinstudium in Gießen brach er ab, aber auch das Studium der Theaterwissenschaften und Literaturgeschichte in Mainz blieb ohne Abschluss. Die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt wurde zur zweiten Heimat des Künstlers - und zur Geburtsstadt seiner Kabarett-Karriere.
Er trat 1947/48 mit dem Studentenkabarett "Die Tolleranten" auf und versuchte sich nach der Auflösung des Ensembles 1949 erstmals als Solist. 1956 gründete er in einem Mainzer Keller das Ensemble "arche nova", entschloss sich dann in den 60er Jahren, wieder allein durch die Lande zu ziehen.
Nach dem Tod seiner ersten Frau Marianne 1988 zog es Hüsch zurück ins Rheinland. Er lebte in Köln, heiratete 1991 erneut. 1998 diagnostizierten Ärzte Lungenkrebs, den er aber besiegte. Ende 2000 verabschiedete er sich dann von der Bühne. Im November 2001 erlitt Hüsch einen Schlaganfall, zog sich danach komplett aus der Öffentlichkeit zurück. Einen Traum konnte er sich bisher nicht erfüllen: Er will einmal den König Lear spielen, den Mächtigen, dem der Narr im Spiegel die Wahrheit zeigt.
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