Was passiert mit dem Zauberlehrling? Stimmen Sie ab: Harry darf nicht sterben
VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 15.07.2007 - 17:28Düsseldorf (RP). Als ob Figuren sterben müssten, um Helden zu werden. Als ob Geschichten mit Blut getränkt sein müssten, um sie mit der bleiernen Würde des Mythos zu weihen. Sind wir in Bayreuth?
Harry Potter ist ein Held wenn er am Leben bleibt. Nur so kann er nämlich beweisen, dass er auch als einfacher Mensch, als entzauberter Junge taugt. Viel wahrscheinlicher als sein Tod ist nämlich, dass Harry Potter seine Zauberkräfte abgeben muss, um Lord Voldemort zu besiegen. Das wäre ein echtes Opfer.
Harry brächte dar, was ihn auszeichnet, außergewöhnlich, bewundernswert macht und die Fantasie seiner Fans beflügelt. Wenn er nun, um viele Zauber-, Liebes- und Lebenserfahrungen reicher ins reale Leben zurückkehrte und sich auf weniger wundersame Weise zu einem außergewöhnlichen Menschen entwickelte, dann hätte er wahres Heldentum bewiesen.
Theatralisches Dahinscheiden ist doch was für Nibelungen, die das Laub nicht fallen hören. Oder für Hollywood. Dieser Held aber ist made in England. Und von dort darf man cleverere Lösungen erwarten als die schnöde Opferung der Hauptfigur. Zugegeben, der Tod mag für Prinzessinnen im Angelsachsenreich die letzte Adelung zur Herzenskönigin bedeuten.
Zauberschüler aber brauchen kein Basta zum Abschluss. Sie kehren zurück in unsere Welt und flüstern uns zu: „In jedem steckt ein Zauberer. Vielleicht warst auch Du einer, bis Du das Böse besiegt hast und stark genug warst für die Rückkehr in eine ganz normale Welt.”
Mit diesem Kniff würde J. K. Rowling uns, den Durchschnittsmuggeln, einen Helden an die Seite stellen. Einen, der weiß, dass Internatszeiten auch einmal zu Ende gehen. Nichts schlimmer, als Menschen, die ewig Kinder bleiben wollen.
Darum darf Harry Potter nicht sterben. Ein Held versteckt sich doch nicht vor dem Erwachsenwerden. Er nimmt es mit der unausweichlichen Prosa des Lebens auf ohne Hokuspokus. Und wir, die wir das Leben gar nicht anders kennen, trösten uns mit dem Wissen, dass er irgendwo da draußen unter uns ist.
Mehr muss man dann über Harrys Normalo-Alltag auch gar nicht mehr erfahren. So ist auch zu erklären, dass Mrs. Rowling ausgeschlossen hat, weitere Potter-Episoden zu schreiben. Tote Serienhelden sind ja höchst auferstehungsgefährdet, wie Bobby Ewing einst unter einer Dusche in Dallas bewiesen hat.
Auch könnte Rowling versucht sein, nach Harrys Tod dessen Geschichte im Hades weiterzuspinnen, wenn sie demnächst die Postpotter-Langeweile befällt. Weitere Folgen aber wären der eigentliche Tod dieses Helden. Nur der Alltag wird Harry für alle Zeiten sicher verschlingen. Und er wäre für immer bei uns. Zauberhaft.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






