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Düsseldorf
Heine-Preis ehrt A. L. Kennedy

Düsseldorf. Die 51-jährige schottische Erzählerin ist auch eine Kritikerin der Politik. Von Lothar Schröder

Alison Louise Kennedy hatte keiner auf der Rechnung. Was nicht schlecht sein muss und in ihrem Fall ein Glück ist. Denn mit ihr bekommt eine Autorin den mit 50.000 Euro dotierten Düsseldorfer Heinrich-Heine-Preis, die im hiesigen Literaturbetrieb noch nicht von einer Auszeichnung zur anderen weitergereicht wurde und die doch zu den wichtigsten Stimmen der Gegenwart gehört. A. L. Kennedy wird nicht nur im Namen Heines geehrt, sie selbst ehrt mit ihren Romanen und publizistischem Engagement den Preis und seine Bestimmung.

Die 51-jährige Schottin ist Autorin durch und durch, also eine, die schreibend denkt und keine Scheu hat, sich in der Schilderung einzelner Lebensgeschichten die großen Themen der Menschen vorzuknöpfen. Nämlich Liebe und Tod, Verrat, Täuschung, Schuld. Aber nicht so sehr philosophisch, sondern brutal realistisch, mitunter deftig. Das muss man erst einmal auf hohem Niveau hinbekommen, etwa mit einer Hauptfigur, die säuft - wie in "Paradies", ein Roman der Selbstzerstörung, der am Ende mit der nicht ganz neuen, doch immer noch harschen Nachricht aufwartet, dass das Paradies auf ewig verloren ist.

Manchmal erinnert Kennedy an die große Alice Munro, besonders in den Erzählungen und mit frappierenden Einstiegssätzen wie diesen: "Schon ein Buchstabe konnte alles vermasseln, das wusste er jetzt." Auch Kennedy liebt das zunächst Unscheinbare, aus dem die Lebenskatastrophe langsam erwächst. Nur ist die Schottin mit ihren Helden und damit auch mit uns weit unbarmherziger als die kanadische Nobelpreisträgerin. "Es gibt keine einfachen Figuren. Es sei denn, man sieht jemanden aus größter Distanz", sagt Kennedy. Und genau das hat sie nicht im Sinn.

Zu ihrem Werk - unbedingt lesen sollte man auch "Das blaue Buch" und "Alles was du brauchst" - gehören untrennbar ihre politischen Einlassungen, meist in Zeitungskolumnen. Als eine erbitterte und zornige Gegnerin Tony Blairs wurde sie bekannt. Eine Kritikerin auch der aktuellen Bildungspolitik ist sie bis heute geblieben. Kennedy, so muss man es anerkennend sagen, reißt herzerfrischend die Klappe auf.

Ihr den Heine-Preis nach Habermas und Kluge anzuerkennen, ist überraschend. Es ist eine inspirierte und inspirierende Wahl. Also eine sehr richtige.

Quelle: RP
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