Landwehr-Kasino wird zum Zentrum der Mode- und Porträtfotografie: Helmut-Newton-Stiftung in Berlin eröffnet
zuletzt aktualisiert: 04.06.2004 - 17:39Berlin (rpo). Die Helmut Newton Stiftung wurde am Freitag im Museum für Fotografie in Berlin eröffnet. Das Museum zeigt die Ausstellungen "Us and Them" und "Sex and Landscapes" des im Januar verstorbenen Starfotografen.
Fünf "Big Nudes" begrüßen die Besucher des neuen Museums für Fotografie in Berlin schon im Treppenhaus. Die berühmten Akt-Fotografien Helmut Newtons haben in den Wandnischen des großzügigen Entrees den Platz von fünf preußischen Offizieren eingenommen, deren Porträts dort einst hingen. Mit den "Big Nudes" sowie den Bildern aus den Ausstellungsprojekten "Us and Them" und "Sex and Landscapes" hat das Werk Newtons in der Heimatstadt seines Schöpfers ein dauerhaftes neues Zuhause gefunden.
Newton, der im Januar in Los Angeles durch einen Autounfall ums Leben gekommen war, habe Berlin immer in seinem Herzen getragen, sagte seine Frau June Newton am Freitag in Berlin. Das neue Museum, das auch Sitz der Newton-Stiftung ist, werde ihrer Schätzung nach das schönste in der Hauptstadt und ein großer Publikumserfolg.
Klaus-Dieter Lehmann, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, betonte, das Haus solle "kein Monument" sein, sondern ein "Forum". Künftig soll es neben Präsentationen der Newton-Stiftung auch Ausstellungen aus den Beständen der Staatlichen Museen zu Berlin sowie zu den Werken junger Fotografen geben.
Die Schau "Us and Them" spiegelt das gemeinsame Leben von Helmut und June Newton wider, die seit 1947 ein Paar waren. Zu sehen sind sehr private Porträts und Selbstporträts - fotografiert von Helmut Newton, aber auch von June Newton, die seit 1970 unter dem Namen Alice Springs ein eigenes fotografisches Werk schuf. Ergänzt wird das "fotografische Tagebuch" durch Aufnahmen von Freunden und Weggefährten wie Denis Hopper, Catherine Deneuve oder Karl Lagerfeld. In Berlin wird diese Kollektion erstmals vollendet durch die Bilder, die June Newton von ihrem Mann auf dem Sterbebett machte.
"Sex and Landscapes" stellt laut Kurator Matthias Harder "einen ganz neuen Newton" vor. Das Projekt entstand 2001 für eine Züricher Galerie und zeigt bis dahin weitgehend unbekannte Landschaftsfotos Newtons in Korrespondenz mit zum Teil sehr freizügigen Erotikfotos. Zu sehen sind Akte, Porträts, Mode-Aufnahmen und Landschaften in Schwarz-Weiß und Farbe, die die Vielfalt im Schaffen des Starfotografen veranschaulichen.
Die Präsentation seiner Werke in dem 1909 als Offiziers-Kasino eingeweihten Gebäude nahe dem Bahnhof Zoo und der Einzug seiner Stiftung dort, war der Wunsch Newtons und ist noch zu seinen Lebzeiten mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vereinbart worden. Newton stellte seiner Heimatstadt eine umfangreiche Dauerleihgabe seiner Arbeiten zur Verfügung und finanzierte über die Stiftung den ersten Abschnitt des Umbaus des Gebäudes zu einem "Zentrum für Fotografie".
Newton war 1920 als Sohn jüdischer Eltern in Berlin geboren worden. 1938 musste er Berlin verlassen. Er reiste vom Bahnhof Zoo ab, weshalb der nach langer Suche gefundene Ort für das neue Museum hinter dem Bahnhof für ihn von großer Symbolhaftigkeit war.
Der Künstler war einer der gefragtesten Fotografen weltweit. Aufsehen erregt hatte er mit seinem 1982 veröffentlichten Fotoband "Big Nudes". Er porträtierte auch Persönlichkeiten aus Film, Politik und Wirtschaft und sagte über seine Fotografien im Vergleich zu den von "Wahrheit und Einfachheit" geprägten Bildern Alice Springs', er erkenne in ihnen "das Gestaltende und Redaktionelle".
Das neue Museum, das ab Samstag öffentlich zugänglich ist, soll nach Schätzung Lehmanns jährlich mindestens 100 000 Besucher zählen. Ab 25. Juni wird dort ein Projekt des Berliner Bildhauers Raimund Kummer präsentiert, bei dem ein Stahlträger aus einem Kreuzberger Abrisshaus zur Projektionsfläche für Fotografie und Film wird.
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