Neuer Generaldirektor der Berliner Opernstiftung: Herausforderung für Schindhelm
zuletzt aktualisiert: 22.02.2005 - 16:28Berlin (rpo). Michael Schindhelm wird ab April zwischen Basel und Berlin pendeln. Der 44-Jährige hat am Dienstag einen Fünfjahres-Vertrag als Generaldirektor der Berliner Opernstiftung unterschrieben. Dieser gilt ab April. Da er bis Ende der Spielzeit 2005/06 noch als Theaterdirektor in Basel engagiert ist, wird Schindhelm zunächst 15 Arbeitstage im Monat in der deutschen Hauptstadt sein.
Schindhelm weiß um die Ressentiments, die es wegen seiner Ernennung zum Chef der Berliner Opernstiftung immer noch gibt. "Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass alle Vorbehalte jetzt ausgeräumt sind", sagte der neue Generaldirektor. Er war mal wieder von Basel nach Berlin gereist, diesmal, um seinen neuen Vertrag zu unterzeichnen. Seine Strategie gegen die Vorbehalte: "Ich werde keinem Gespräch aus dem Weg gehen", versprach er.
Um Schindhelm, den Wunschkandidaten von Berlins Kultursenator Thomas Flierl (PDS), hatte es im Vorfeld langen Streit wegen dessen Stasi-Verstrickungen gegeben. Er war 1984 als 23-Jähriger im sowjetischen Woronesch für die Stasi geworben worden. Erst ein mit ehemaligen DDR-Bürgerrechtlern besetzter Ehrenrat gab nach Sichtung der Akten Entwarnung und stellte Schindhelm quasi einen Persilschein aus. Nachdem auch die Intendanten der drei Berliner Opern ihre Zustimmung gegeben hatten, sprach sich abschließend der Stiftungsrat der Opernstiftung für Schindhelm als Generaldirektor aus. "Ich habe seitdem lange genug Zeit gehabt, um mir zu überlegen, wie ich jetzt auf die Leute zugehe", sagte Schindhelm.
Bis zum Ende der Spielzeit 2005/2006 hat der neue Berliner Generaldirektor noch einen Vertrag als Intendant des Drei-Sparten-Theaters im schweizerischen Basel zu erfüllen. Bis dahin soll er sich zunehmend mehr auf seine neue Tätigkeit in der Hauptstadt konzentrieren. Um eine reibungslose Übergabe zu ermöglichen, will Flierl am 1. März dem Stiftungsrat vorschlagen, seine Staatssekretärin Barbara Kisseler mit der kommissarischen Leitung der Opernstiftung zu betrauen.
Viele Vorbehalte gibt es nach Ansicht Schindhelms gegen die Opernstiftung auch, weil sie als "verkappte Institution zur Abwicklung eines der drei Opernhäuser" gesehen werde. Doch aus den drei Opernhäusern - der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper und der Komischen Oper - gebe es für seine Arbeit auch viel Unterstützung. Das habe er bei ersten Gesprächen mit den Intendanten und Personalräten bereits erfahren. "Doch jetzt werde ich erst einmal zuhören in den drei Häusern und dann eine Analyse anfertigen, was zu tun ist, um dieser Stiftung das Überleben zu sichern", betonte Schindhelm.
Seine künstlerischen Ambitionen will der 44-Jährige, der erst vor einer Woche seinen zweiten Roman "Die Herausforderung" veröffentlicht hatte, künftig vor allem im Schreiben ausleben. "Es ist richtig, dass ich als Chef der Opernstiftung weiter vom Theatergeschehen wegrücke als in Basel", betonte er. Er sei aber immer mehr Theaterleiter und weniger Regisseur gewesen. "Außerdem hoffe ich, dass die drei Intendanten mit mir über Kunst reden werden, ohne dass sie das als einen Eingriff in ihre Arbeit verstehen." Anderseits werde er ihnen den Rücken frei halten, wenn es um finanzielle und organisatorische Belange gehe.
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