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Speyer
Historisches Museum der Pfalz zeigt große Maya-Ausstellung

Speyer. Szenegastronomen mögen Kakao mit Chili als neuestes In-Getränk anpreisen, erfunden hat es das mittelamerikanische Volk der Maya - vor fast 2000 Jahren. "Selbst unser Begriff Kakao stammt aus der Maya-Sprache", sagt Archäologe Nikolai Grube bei der Vorstellung der Maya-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Anders als heute war das kostbare Getränk bei den Mayas nur für Könige, Priester und Eliten reserviert. Von Volker Hasenauer

Die erhaltenen, aufwendig bemalten Kakao-Trinkgefäße zeigen die bunte Götterwelt des indigenen Volkes, das zwischen 200 und 1000 nach Christus auf der heute mexikanischen Halbinsel Yukatan sowie in Guatemala und Belize zu großer Blüte kam. Die Maya entwickelten die erste Schrift Lateinamerikas, die erst in den vergangenen 20 Jahren Wissenschaftler entziffern konnten. Sie schufen komplizierte Kalender und hatten fortgeschrittene mathematische Kenntnisse. In den streng hierarchisch organisierten Stadtstaaten stand der als Gott verehrte König an der Spitze.

In einem 2006 entdeckten Herrschergrab fanden Archäologen 25 kleine Tonfiguren, die die gesellschaftlichen Gruppen und Berufe repräsentieren. Jetzt haben sie aus dem guatemaltekischen Nationalmuseum nach Speyer gefunden. "Die meisten der 250 Originalobjekte sind zum ersten Mal in Europa zu sehen", so Ausstellungskurator Lars Börner. Gemeinsam mit der Universität Bonn und dem niederländischen Drents Museum entwickelte das Speyerer Museum das Ausstellungskonzept. Ausgehend von der digitalen Rekonstruktion der ehemaligen Königsstadt Uxul, die Ausstellungsbesucher per Smartphone und Tablet erkunden können, entsteht ein vielfältiges Bild der Maya-Kultur. Die Gottkönige ließen sich lebensgroß in Kalksteinreliefs darstellen. Grabbeigaben zeugen vom Reichtum der Herrscher. Tonmalereien zeigen die religiösen Rituale, von denen fantasievoll gestaltete Weihrauchgefäße erhalten blieben.

Für die Versorgung der mitten im Regenwald gegründeten Städte mit bis zu 40.000 Bewohnern entscheidend war der Maisanbau. "Ohne Mais hätten die vielen Menschen nicht ernährt werden können, hätte es keine Maya-Hochkultur gegeben", so Kurator Börner.

Viel Augenmerk haben die Ausstellungsmacher auf junge Besucher gelegt. Ein eigener Kinderparcours führt durch die Schau, entlang von Mitmachstationen und Ausflügen in die Maya-Welt: von den besten Rezepten zur Kakao-Herstellung bis zum Passbildautomat, für den sich Kinder als Maya-Könige verkleiden können.

Der Ausstellungstitel "Das Rätsel der Königsstädte" verweist am Ende des Rundgangs darauf, dass trotz intensiver Forschung noch immer vieles aus der Maya-Welt im Dunklen liegt. Obwohl die Wissenschaft heute mit Lasertechnik die untergegangenen Maya-Städten vermessen und rekonstruieren kann. "Noch immer sind Hunderte Städte nicht wissenschaftlich erkundet und ausgegraben", so Archäologe Grube. Und das größte Rätsel bleibt bis heute die umstrittene Frage, warum die Hochzeit der Maya um das Jahr 1000 - also lange vor der Ankunft der spanischen Eroberer Lateinamerikas - jäh endete. Maya-Experte Grube beschreibt ein komplexes Zusammenspiel von Ursachen, die zum Untergang führten: Immer mehr Kriege beförderten die gesellschaftliche Destabilisierung und schließlich das Ende des Königtums. Die Bauern konnten das Machtvakuum nicht füllen. Hinzu kamen Dürren durch einen Klimawandel im 10. Jahrhundert und Raubbau an den natürlichen Ressourcen.

Info "Maya - Das Rätsel der Königsstädte", 2.10 -23.4.2017; Historisches Museum der Pfalz, Dompl. 4, Speyer, T. 0 62 32-1 32 50

(kna)
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