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Düsseldorf
Horst P. Horst - Fotograf und Künstler des Lichts

Düsseldorf. Mehr als ein Modefotograf: Die Ausstellung im NRW-Forum zeigt Horst als akribisch-vielseitigen Künstler. Von Annette Bosetti

Man nennt ihn den "König der Modefotografie". Und tut ihm damit keinen Gefallen, denn diese Kategorisierung greift zu kurz: Horst P. Horst, einer der prägenden und bedeutenden Fotografen des vergangenen Jahrhunderts, weitete sein Genre in viele Richtungen. Wie die großangelegte und facettenreiche Ausstellung "Horst: Photographer of Style" im NRW-Forum von Düsseldorf zeigt, war dieser 1906 in Deutschland geborene und später in den Metropolen der westlichen Welt agierende Weltbürger auf seine Art auch ein Bühnenbildner, Bildhauer, Surrealist, Zeichner. Dabei war er stets Chronist seiner Zeit.

Mehr als 200 Werke sind ausgebreitet. Die dunkel getönte Ausstellungsdramaturgie mit Vitrinen und Fotoanimationen hat das Londoner V&A-Museum vorgegeben, in dem die Schau mit großem Erfolg startete. So viel zu gucken gab es schon lange nicht im NRW-Forum, und, anders als bei der vordergründigen Selfie-Ausstellung, ist bei Horsts Arbeiten der Widerhall groß, so ernsthaft sind sie, nachhaltig und über den Moment weisend. Horst hat Schönheit eingefangen, Models neu modelliert, Begegnungen gewichtet, Kulissen geschaffen. Er hat Ewigkeitswert errungen.

Man schaut auf die Zeit, als die ersten Mannequins der Welt laufen lernten für Magazine wie die Vogue und als Stars wie Gary Cooper, Rita Hayworth oder Marlene Dietrich sich in Szene zu setzen wussten. Horsts Porträt von Salvador Dalí lebt indes allein von der Reduktion auf Schnurrbart und Augen. Ganz anders wieder die Pflanzenbilder, die fein komponierten Stillleben und schließlich seine Männer in Aktpositionen. Flankierend dazu Skizzenbücher, Filme, Kleider, Zeitungen. Es ist ein von Horsts Lebenswerk durchdrungener Kosmos ausgebreitet, der das gesellschaftliche Spannungsfeld der 1930er, 1940er, 1950er und folgenden drei Jahrzehnten lebendig einfärbt. Die eigene Befindlichkeit lenkte den Blick des Fotografen, Horsts Bilder sind expressiv und subjektiv: Man lebte vor dem Krieg, im Krieg, nach dem Krieg, zwischen der Zeit.

Dann wurden die Fotos farbig, die Fotografen mutig. Damals gab es Künstler-Cover, Horst montierte zehn Köpfe aneinander oder formte aus Körperposen Buchstaben für die Headline. Weit gefehlt, wer glaubt, das Analoge bildete noch Wahrheit ab. Die Models, das lesen wir aus originellen Fotodokumenten, taten schon alles, um Brüste zu verkleinern (!) und Haut mithilfe von Wachs und Elektrik zu straffen.

Um dramatische Schlagschatten ging es dem Lichtkünstler Horst bei seinen frühen Arbeiten, Diagonalen durchschneiden seine Bilder. Er verzaubert Menschen, viele wollten damals von ihm fotografiert werden. Oft setzte er Licht nur auf ein Detail, eine Struktur oder einen Verlauf. Nach dem Sitting erfolgt die Retusche, seine Mitarbeiter färbten Wimpern nach, verschlankten Taillen. 1992 beendete Horst seine Arbeit wegen nachlassender Sehkraft, 1999 starb er in Florida. Sein Nachlass ist ein Schatz der Fotografiegeschichte. Das Schöne daran: Virtuosität paart sich mit Stilgefühl und Menschlichkeit.

Quelle: RP
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