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Berlin
Humboldtforum ohne Eintritt

Berlin. Gestern wurde das Konzept fürs neue Museum im Berliner Schloss vorgestellt.

Natürlich ist der Wiederaufbau des 1950 gesprengten Berliner Stadtschlosses erst verflucht und dann bejubelt, verworfen und wieder begrüßt worden. Und dass sowohl die Baukosten in Höhe von rund 600 Millionen Euro als auch der Termin der Fertigstellung Ende 2019 im Großen und Ganzen eingehalten werden (wonach es derzeit tatsächlich aussieht), glaubt in der gebeutelten Hauptstadt ohnehin kaum jemand.

Gestern aber ging es ans Eingemachte - im wahrsten Sinne des Wortes: Einer der neuen Hausherrn, der britische Museumsstar Neil MacGregor, stellte das Konzept fürs ambitionierte Kulturzentrum vor - das sogenannte Humboldtforum. Danach sollen die Dahlemer Museumssammlungen mit ihrer außereuropäischen Kunst als eine Art Basis dienen, die Verflechtungen der Welt besser zu verstehen und schließlich "die Welt als Ganzes zu denken" - alles sehr im Humboldtschen Geiste. Mit der aktuellen Schau über "Natur und Kultur am Humboldtstrom" in der Info-Box am Schlossgelände soll schon jetzt ein Vorgeschmack auf die geplante Dauerschau gegeben werden.

Entstehen wird in gut drei Jahren ein "Weltkulturmuseum", das mit seinen verschiedenen Ausstellungen auch die koloniale Herkunft seiner Exponate zum Thema machen will. Damit setze es für andere Museen "Maßstäbe für die Auseinandersetzung mit der eigenen Sammlungsgeschichte", so gestern Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Für sie ist das Humboldt Forum auch deshalb "kein herkömmliches Museum", sondern in besonderer Weise "ein Bildungsangebot".

Dieser Charakter soll sich noch in anderer und für Deutschland noch gewöhnungsbedürftiger Weise niederschlagen. So will sich Grütters hinter die Empfehlung der Forums-Spitze stellen und künftig im Humboldtforum auf Eintrittsgeld verzichten. Allerdings müsste dann der Betriebskostenanteil in der Finanzierung des Stadtschlosses deutlich erhöht werden.

Für Gründungsintendant Neil MacGregor führe ein kostenloser Eintritt - wie beispielsweise in London - dazu, dass die örtliche Bevölkerung ein Museum viel stärker nutze. Ähnliche Beobachtungen machte zuletzt auch das Essener Folkwang-Museum. MacGregor bezeichnete die unentgeltlich zugängliche Peru-Schau als "Probebühne" für die künftige Dauerausstellung. Als weitere Projekte in der "Humboldt Box" kündigte er Ausstellungen zu den Themen "Kindheit" und "Gold" an.

(los)
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