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Bremen
"Im Fremden den Nächsten sehen"

Bremen. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat über ihre Ausrichtung diskutiert - und ihren Rat neu gewählt. Von Franziska Hein

Mut finden, sich nicht mit den Gegebenheiten abzufinden, Glaube als Quelle des Widerstands, die Kirche als Teil einer offenen Gesellschaft - das sind die Parolen einer Kirche im Aufbruch. So steht es zumindest im Kundgebungsentwurf der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zum Reformationsjubiläum 2017. Über die Ausrichtung der evangelischen Kirche in den kommenden sechs Jahren verhandelt bis heute die Synode, das Kirchenparlament, in Bremen.

Das Reformationsjubiläum hat eine einigende Kraft entfaltet. Und die Kirche bleibt politisch: Das zeigt sich im Bekenntnis zu ihrem bisherigen - und wohl auch künftigen - Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm (55). Die Delegierten wählten ihn mit dem besten Ergebnis in den neuen Rat, die "Regierung" der EKD. Das ist ein Zeichen für eine harmonische Synode, auf der wenig strittig war. Im Rat, dessen Vorsitzender und Vize heute von der Synode gewählt werden, werden vier Nordrhein-Westfalen vertreten sein (siehe rechts), außerdem zum Beispiel der scheidende Chef des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim, Andreas Barner, und der Berliner Bischof Markus Dröge.

Bedford-Strohm steht im Zentrum der Aufbruchsstimmung. "Dem Fremden soll mit Empathie begegnet werden" - der Satz findet sich im Kundgebungstext für 2017 und im Jahresbericht des Ratsvorsitzenden. Im Fremden den Nächsten sehen, das soll evangelischen Christen als Gebot gelten - und dabei sollen diejenigen nicht vergessen werden, die sich als Verlierer gesellschaftlicher Veränderungen fühlen.

Für das linksliberale Profil seiner Kritik gab es viel Zustimmung. Der Europäischen Union attestierte Bedford-Strohm Unfähigkeit im Umgang mit Flüchtlingen. Das heißt: Kirche mischt sich ein, sie zeigt Kante und wird deutlich - all dies im Sinne Luthers. Auch wenn das nicht automatisch funktioniert: Die Kirchen schrumpfen, und auch unter Gemeindegliedern gibt es Misstrauen gegenüber politischer Einmischung der Kirche.

Quelle: RP
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