| 08.18 Uhr

Duisburg
Im Kraftfeld des Geldes

Duisburg. Luk Perceval zeigt bei der Ruhrtriennale seinen zweiten Émile-Zola-Abend. Von Dorothee Krings

Wie könnte Nana den tatterigen Grafen abweisen? Er hat doch Geld, altes, adeliges Geld, und sie kein Talent als Schauspielerin. So verkauft Nana, was sie hat, ihren Körper, und bezahlt selbst einen Preis: Selbsthass. Die blasse Denise dagegen hat Karl Marx gelesen. Nun ekelt sie die Gier, die ihre Zeit vorantreibt, und sie hat einen Blick für die Mechanismen der Ausbeutung. Und weil ihre kühle Klugheit ihren Chef liebeshungrig macht, ringt sie ihm die ein oder andere soziale Leistung für die Angestellten ab. Zwei Frauen im Zeitalter der Industriellen Revolution, ausgeliefert an die Kräfte des Geldes.

Mit seinem gewaltigen Rougon-Macquart-Romanzyklus machte sich Émile Zola Ende des 19. Jahrhunderts daran, im Aufstieg und Niedergang zweier Familien die gesellschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit darzustellen, die Industrielle Revolution im Schicksal von Menschen abzubilden. Der belgische Regisseur Luk Perceval bringt dieses monumentale literarische Experiment bei der Ruhrtriennale auf die Bühne - in einer Trilogie, für die er über drei Jahre mit denselben Schauspielern vom Hamburger Thalia Theater arbeitet. Für "Geld" hat er drei Zola-Romane elegant verflochten. Allerdings inszeniert er weniger den Plot als vielmehr einzelne Figuren, die vor rostiger Industriekulisse in der Gießhalle des Landschaftsparks Duisburg-Nord hervortreten, ihre Position im Gesellschaftsgefüge markieren, wieder zurücktreten. Perceval beweist da sein choreografisches Gespür für den Raum, in dem er Genrefiguren bewegt: die Edelprostituierte, den Kaufhausgründer, die Sozialistin. So entfaltet Perceval bezwingend ein Gesellschaftspanorama, kommt aber an Stereotypen nicht vorbei. Obwohl sein Ensemble dagegen anspielt, allen voran Maja Schöne, als wilde, trotzige, zuletzt zu Tode erschrockene Femme fatale. Und die große Barbara Nüsse als Graf, der sich kaum noch auf den Beinen hält, umso gieriger nach dem Leben greift. Seine Macht ist das Geld. Liebe kann er dafür nicht kaufen, nur Abhängigkeit schaffen. Den Unterschied hat er gelernt zu vergessen.

Quelle: RP
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