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Essen
In Essen wird Schillers "Maria Stuart" aufgepeppt

Essen. Stummfilm- und Horrorästhetik, Fecht-Choreographien, Faustkämpfe, turbulente Auftritte aus dem Zuschauerraum und gewagte Aktualisierungen: Anna Bergmann tut im Theater Essen alles, damit in Schillers "Maria Stuart" keine Langeweile aufkommt. Die Regisseurin wird deutschlandweit und auch in Skandinavien gebucht - gerne, um Klassiker aufzupeppen und an die schillernde Welt des Pop heranzuführen. Das ist zwar kurzweilig, aber nicht immer sinnfällig. Von Max Florian Kühlem

Eigentlich hat Anna Bergmanns Inszenierung einen klaren Fokus: Sie erzählt das Königinnen-Drama aus der Sicht von Elizabeth I., der Königin von England. Sie ist in einem Dilemma: Maria Stuart, die Königin von Schottland und ihre Halbschwester, sitzt in ihrem Kerker. Entlässt sie sie, wird die Katholikin Maria Stuart den eigenen Anspruch auf den Thron der Protestantin Elizabeth I. geltend machen - mit Gott an ihrer Seite. Ein Todesurteil gegen eine rechtmäßige Königin auszusprechen, behagt ihr jedoch ebenso wenig. Elizabeth muss in einem schwachen Moment Stärke beweisen, sich als weibliche Herrscherin in einer Männerwelt durchsetzen.

Die überragende Stephanie Schönfeld legt Elisabeth als eine eigentlich charakterstarke Frau an, die mit feuerroter Haarpracht ein wenig an Tilda Swinton erinnert und durch ihr Dilemma auch persönlich in eine Krise gerät. Irgendwann erscheint ihr als realistische Option abzudanken - weil sie sich die lähmende Unentschlossenheit als weibliche Schwäche auslegt.

Als Konsequenz, die sich aus dem Fokus der Inszenierung auf Elisabeth ergibt, darf Maria Stuart erst nicht sprechen, sondern in ihrem Kerkerloch festgezwängt nur stumm mit ihren Beratern kommunizieren. Obertitel informieren in Stummfilm-Manier über die gröbsten Eckpfeiler der Handlung.

In den knackigen zwei Stunden ohne Pause mutet die Regie Janina Sachau in der Rolle der schottischen Königin noch weitere Merkwürdigkeiten zu: In einem verzweifelten Moment muss sie Massive Attacks "Teardrop" singen, und getötet wird sie am Ende auf einem elektrischen Stuhl, auf dem sie die Zuschauer minutenlang durch einen röchelnden Todeskampf quält.

Quelle: RP
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