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Oberhausen
Iron Maiden: Hard Rock in der Maya-Geisterbahn

Oberhausen. Wenn eine Band seit gut 40 Jahren im Geschäft ist und 90 Millionen Tonträger verkauft hat, muss man damit rechnen, dass sie sich bei einem Konzert nur an ihren größten Erfolgen abarbeiten will. Iron Maiden gehört zu der seltenen Spezies, die auf der Bühne nicht nur nach hinten schaut, sondern auch ihr aktuelles Album promotet. So jedenfalls bei ihren Konzerten in der Oberhausener König-Pilsener-Arena, wo das Sextett aus London vor jeweils rund 12.600 Fans spielte. Von Markus Balser

Das Album, das dabei im Fokus steht, "The Book of Souls", gehört zu den anspruchsvollsten, das die "Eiserne Jungfrau" in ihrer langen Karriere veröffentlicht hat: komplexe Songstrukturen mit langer Laufzeit. Ob solcher Stoff für ein Konzert geeignet ist, hat sich bereits nach Titel Nummer zwei geklärt, als sich die Arena in einen einzigen Fanblock verwandelt hat, der dem in einem Fußballstadion in nichts nachsteht.

Das hat auch viel mit der Spielfreude der Musiker zu tun. Steve Harris, Kopf hinter den meisten Titeln der Band, hält auch mit 61 Jahren schweißgebadet seinen Bass wie ein Gewehr in die ersten Reihen des Publikums. Genauso agil ist Sänger Bruce Dickinson. Der Mann, den der "Rolling Stone" einmal als Mischung aus Luftschutzsirene und Maria Callas bezeichnete, hat vor kurzem eine Zungenkrebserkrankung überstanden. Er behauptet sich stimmlich problemlos gegen drei Gitarren und ein massives Schlagzeug, schäkert mit dem Publikum, veralbert seine Kollegen.

Überhaupt geht es nicht sonderlich ernst zu, auch wenn uns das Bühnenbild, das wie eine Geisterbahn aus der Maya-Zeit aussieht, anderes weismachen will. Es brodelt und flammt an allen Ecken und Enden; natürlich erscheinen der Leibhaftige und auch Eddie, das zombiehafte Band-Maskottchen.

Gut zweieinhalb Stunden dauert der Heavy-Metal-Spuk mit Spaßfaktor. Iron Maiden liefert einen guten Mix aus Neuem und Altem ab. Dazu gehört das 14-Minuten-Stück "The Red And The Black" ebenso wie die Klassiker "The Trooper" oder "Children of the Damned".

Einziges Manko: der Sound. Er ist stellenweise hoffnungslos übersteuert und lässt dabei das versierte Gitarrenspiel von Adrian Smith, Dave Murray und Janick Gers hier und da zu einem Brei verwabern.

Der Oberhausener Iron-Maiden-Fanblock verzeiht das aber.

Quelle: RP
 
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