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Düsseldorf
Der Mann, der "Pretty Woman" komponierte

Düsseldorf. "Die Tribute von Panem", "Batman": James Newton Howard präsentiert seine großen Filmmusiken live. Von Philipp Holstein

Auch wenn sein Name manchem womöglich nicht geläufig ist, seine Musik kennt fast jeder. Der 66-Jährige ist gemeinsam mit Hans Zimmer der meistbeschäftigte Komponist in Hollywood. Er schuf die Musik für "Pretty Woman", "The Sixth Sense", "The Dark Knight" und "Die Tribute von Panem". Bisher werkelte Newton Howard recht verborgen in seinem Studio in Santa Monica vor sich hin. Nun möchte er hinaus, er sehnt sich nach Kontakt mit dem Publikum, deshalb geht er mit einem Orchester auf Tournee.

Das Besondere an den Kompositionen Newton Howards ist ihre Melodiosität. Die meisten seiner Filmmusiken funktionieren auch ohne Bilder, darauf legt er Wert. Ihm ist vor allem das Eröffnungsthema einer Produktion wichtig, und wer je die Serie "Emergency Room" sah, wird sich an die Titelmelodie erinnern - auch die stammt von dem Amerikaner. Er lebt mit seiner Ehefrau Sophia, einem früheren Model, das aus Mettmann stammt, in Santa Monica in einem schicken Haus, auf dessen Terrasse er selbstgemachte Limonade serviert. Nebenan dreht Larry David ("Seinfeld") seine Serie "Curb Your Enthusiasm". Newton Howard wirkt wie ein Professor: schwarze runde Brille, aufmerksamer Blick, unter dem Pullover kein Hemd. Als die 15 Jahre alte Tochter Anouk dazukommt, bittet er sie, das Stück "Hangin' Tree" zu singen, das Jennifer Lawrence in "Die Tribute von Panem" singt und als Single in Deutschland Platz eins der Charts erreichte. Die Schauspielerin hat sich zusichern lassen, das Lied nie wieder vortragen zu müssen, denn sie meint, sie habe keine gute Stimme. Newton Howards Tochter hingegen übernimmt gerne, sie wird den Vater bei einigen Konzerten begleiten; er schaut denn auch stolz, als man klatscht.

"Ein Soundtrack ist für den Film, was beim Essen die Sauce ist", sagt Howard. Er dürfe lediglich akzentuieren, keinesfalls überwürzen. Man denke nur an Verfolgungsjagden: "Warum sie noch mit Musik überfrachten? In den meisten Hollywood-Produktionen gibt es zu viel Musik." Vielleicht deutet sich deshalb eine Gegenbewegung aus minimalistischen und experimentellen Soundtracks an, wie sie zuletzt von Jóhann Jóhannsson ("Arrival") und Mica Levi ("Jackie") geschaffen wurden.

In Howards Studio, das versteckt zwischen Lagerhallen in Santa Monica liegt, steht eine Beethoven-Statue. Ansonsten sind da nur ein gewaltiger Bildschirm und ein Computer. Unter den Tasten seines Keyboards liegt jedes Instrument des London Symphony Orchestra. Newton Howard hat für ein Heidengeld alle Musiker spielen lassen und aufgenommen, damit er mit deren Tönen komponieren kann. Das Verfahren ist durchaus üblich für arrivierte Filmkomponisten. "Mein Vorteil ist: Ich habe Geld", sagt Newton Howard.

Er hat Klavier studiert und begann dann - eigentlich gegen seine Neigung - eine Rockkarriere. Er war Teil der Band von Elton John, spielte Keyboard für Toto, Chicago und Chaka Khan. 1990 engagierte Regisseur Gary Marshall ihn für den Film "Pretty Woman". Das war der Durchbruch, noch heute danke er jeden Tag für diese Chance.

Achtmal war er für den Oscar nominiert, und zuletzt arbeitete er für "Snow White & The Huntsman" und "Phantastische Tierwesen". Vielleicht kann man Hans Zimmer als den Bombast-Komponisten bezeichnen, dagegen ist Howard geradezu romantisch. Man sieht es schon an der Bestenliste seiner persönlichen Lieblings-Soundtracks: 1. "Jäger des verlorenen Schatzes" (1981, Musik: John Williams), 2. "Die Verurteilten" (1994, Thomas Newman), 3. "Lawrence von Arabien" (1962, Maurice Jarre). Das Programm der Konzerte nennt er dazu passend: düster-romantisch.

Info James Newton Howard präsentiert "Das Beste aus 30 Jahren Hollywood" am 30. November in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf. Karten unter Telefon 0211 274000 und www.westticket.de

Quelle: RP
 
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