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Viersen
Posaunist Nils Landgren brilliert in Viersen

Viersen. Zur 30. Auflage des Jazzfestivals kommt viel Prominenz: Lee Konitz, Michael Wollny und andere. Von Barbara Steingiesser

Wie Illustrationen in einem Kinderbuch wirken die gezeichneten Musikerporträts auf dem Plakat zum 30. Internationalen Jazzfestival Viersen. Man muss schon etwas genauer hinschauen, um den einen oder anderen zu identifizieren, etwa Ali Haurand, den Gründer des Festivals, der auf dem Poster am Kontrabass zu sehen ist. Einen Jazzer aber erkennt man auf den ersten Blick, denn er hat eine rote Posaune. Das kann nur Nils Landgren sein, der seit 30 Jahren auf einer eigens für ihn konstruierten Posaune spielt, die für ihn rot lackiert wurde. Das trug ihm seinen Spitznamen ein: "Mr. Red Horn".

Doch Landgren, einer der erfolgreichsten und beliebtesten Jazzmusiker Europas, wird auch als Anwärter auf einen Titel gehandelt, den einst James Brown trug: "The Hardest Working Man in Show Business". Seit der amerikanische Trompeter Thad Jones den Schweden 1981 in seine Band holte, heißt es in der Biografie auf der Website der Plattenfirma ACT, "hat Nils Landgren meist alles gleichzeitig gemacht: Jazz und Rock, Soul und Hip-Hop, Big Band Sessions und nach eigener Schätzung mindestens 500 Platten".

"Alles gleichzeitig", das scheint Landgrens gegenwärtige Situation treffend zu charakterisieren. Mit sieben verschiedenen Formationen vom Duo bis zur Big Band tourt der Posaunist und Sänger im September durch Schweden, Deutschland und Japan. Seine Fans lieben die erdigen Grooves seiner "Funk Unit" genauso wie seine lyrischen Balladen-Programme und die Weihnachtskonzerte, mit denen er seit 2005 alle Jahre wieder für stimmungsvolle Adventsmusik in Kirchen sorgt.

Neben seinen rund 250 Konzerten pro Jahr arbeitet er an eigenen CDs, produziert die Alben befreundeter Musiker und fördert junge Talente. Er ist künstlerischer Leiter der schwedischen Bohuslän Big Band und des JazzBaltica-Festivals in Schleswig-Holstein, ferner Professor für Jazzposaune an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg und Gastprofessor am Shanghai Conservatory of Music. Zudem hat er in Zusammenarbeit mit "Ärzte ohne Grenzen" sein "Funk for Life"-Projekt ins Leben gerufen, ein Hilfsprogramm für Kinder in Afrika.

Beim Jazzfestival Viersen spielte Nils Landgren mit seiner Funk Unit 1997 zum ersten Mal. Als Gast war sein einstiges Vorbild Fred Wesley dabei, am Keyboard saß ein damals noch völlig unbekannter junger Musiker namens Esbjörn Svensson. Seitdem war Landgren in unterschiedlichen Besetzungen immer wieder in Viersen zu erleben. Zur 30. Ausgabe des Festivals präsentiert der Posaunist ein besonderes Projekt. Nachdem er zu seinem 60. Geburtstag in diesem Jahr ein Leonard-Bernstein-Tribute mit seinem Jazz-Quartett, den Bochumer Symphonikern und der "Manhattan Transfer"-Sängerin Janis Siegel veröffentlicht hat, bringt er nun mit Orchester und Quartett seine Lieblingsstücke auf die Bühne.

Überhaupt ist das Jubiläumsfestival eine Art "Best Of", denn es gibt ein Wiederhören mit alten Bekannten wie Ali Haurands "European Jazz Sextet", dessen zehnjähriges Bestehen 1987 am Anfang des Festivals stand. Auch Wolfgang Haffner und Michael Wollny sind wieder dabei. Florian Weber bringt als Artist in Residence für die alten Jazzer den Cool-Jazz-Pionier Lee Konitz mit und für die jungen Hip-Hop-Fans den Rapper Samy Deluxe. Die WDR Big Band, die jetzt auf eine 70-jährige Bandgeschichte zurückblickt, war zuletzt jährlich mit einem neuen Programm in der Festhalle zu Gast. Diesmal präsentiert sie mit dem in Havanna geborenen Pianisten Hilario Durán eine "Cuban Night". Temperamentvoll wird es auch mit dem Balkan-Brass der "Fanfare Ciocarlia", die in Viersen auch ihr eigenes 20-jähriges Bestehen feiern wird: mit einer rauschenden Geburtstagsparty.

www.jazzfestival-viersen.de

Quelle: RP
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