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Jonas Jonasson
"Jeder sollte aus seinem Fenster steigen"

Der schwedische Bestsellerautor über das Schreiben, über Burn-out und den Sinn des Lebens. Von Lothar Schröder

Köln Er zählt zu den populärsten Autoren der vergangenen Jahre: der Schwede Jonas Jonasson (55), der mit seinem Roman "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" einen Weltbestseller schrieb.

Welcher Ihrer bisherigen drei Romane war denn der schwierigste?

Jonasson Ach, eigentlich habe ich bislang nie Probleme gehabt - weder mit dem Schreiben noch mit dem kreativen Prozess ...

... Sie brüten also nicht stundenlang über ein einziges Wort?

Jonasson Mich halten nur die ganz alltäglichen Umstände des Lebens auf, wie ein Wasserrohrbruch daheim. Meine stärkste Zeit ist zwischen neun und zwölf; der Nachmittag ist nicht so effizient. Unterbrochen wird diese Zeit nur durch meinen Sohn, den ich zur Schule bringe und am Nachmittag wieder abhole.

Ist das Schreiben für Sie auch eine Art Therapie gewesen, mit der Sie sich vom Burn-out befreiten?

Jonasson Es war eher der Weg eine Identitätsfindung. Als ich mein Medieunternehmen in Schweden verkaufte und in die Schweiz ging, war ich zwar völlig unabhängig, aber ich hatte keinen Job, praktisch keine Identität. Aber mit einem eigenen Buch, dachte ich, könnte ich mich einen Autor nennen. Und wenn ich dann 3000 Exemplare verkaufen könnte, würde der Verlag sogar ein zweites Buch von mir drucken. In Deutschland habe ich dann von meinem Debüt nicht 3000, sondern 5000 Bücher verkauft - aber täglich. Der Unterschied zwischen 3000 und am Ende 15 Millionen ist nur die Zugabe zu dieser ganzen Entwicklung.

Können Sie sich noch an die schwere Zeit Ihres Burnouts erinnern?

Jonasson Es fühlt sich an wie eine große Blase, in der man eingeschlossen ist. Daraus bin ich zwar vollständig wieder aufgetaucht, doch bin ich sensibel geblieben für Stress-Situationen. Ich bin einfach nicht mehr so stark wie früher.

Die meisten Figuren Ihrer Bücher sind Aussteiger.

Jonasson Man kann auch sagen, Sie umarmen das Leben. Der Sinn des Lebens ist doch, dass jeder von uns aus seinem eigenen Fenster steigen, neue Entdeckungen machen und spannende Leute kennenlernen sollte. Wer das einmal gemacht hat, fürchtet sich weniger vor dem Tod. All das spiegelt sich in den Figuren. Physisch und mental sind sie unterwegs auf ihrem eigenen Weg.

Würden Sie sich als einen glücklichen Menschen bezeichnen?

Jonasson Dies zu verneinen wäre vermessen angesichts der vielen Menschen, die nicht diesen Erfolg haben. Das Schönste aber ist gewesen, zu sehen, wie stolz meine Eltern auf mich waren.

Quelle: RP
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