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Frankfurt
Journalistin wird Frankfurts neue Kulturdezernentin

Frankfurt. Die einen kennen sie als Autorin der "Zeit" oder der "Süddeutschen Zeitung", anderen ist sie bekannt aus den 3sat-Sendungen "Kulturzeit" oder "Buchzeit". Jetzt übernimmt Ina Hartwig den Posten der Kulturdezernentin in Frankfurt. Die Sozialdemokraten nominierten die frühere Kulturchefin der "Frankfurter Rundschau" für das Amt, das zehn Jahre lang CDU-geführt war. Bei den Sondierungsgesprächen für die neue Stadtregierung fiel der Posten der SPD zu. Hartwig folgt auf Felix Semmelroth (CDU), der eigentlich bis August 2017 Kulturdezernent hätte bleiben sollen. Er wird offensichtlich vorzeitig in den Ruhestand gehen, zum 1. Juli 2016. Seine Rücktrittserklärung verband er gestern mit scharfer Kritik an der eigenen Partei, die das Kulturressort nach der Kommunalwahl dem politischen Gegner überlassen habe.

Die gebürtige Hamburgerin trat den Sozialdemokraten vor etwa vier Jahren bei. Sie hat einen großen Beitrag geleistet an der Ausarbeitung des kulturpolitischen Wahlprogramms der SPD. Ina Hartwig wuchs in Lüneburg auf, studierte nach dem Abitur Romanistik und Germanistik in Avignon und Berlin. Sie promovierte in Essen; in ihrer Dissertation "Sexuelle Poetik" analysierte sie die Sexualität in literarischen Werken des 20. Jahrhunderts - anhand der Werke von Proust, Musil, Genet und Jelinek. 1998 wurde die Arbeit veröffentlicht.

Nach ihrem Studium lehrte Ina Hartwig an der Freien Universität Berlin. Sie war Gastprofessorin in St. Louis, Göttingen und Leipzig. 1997 zog Hartwig für die Redakteursstelle an den Main. "Das kulturelle Angebot ist einzigartig, und überhaupt ist Frankfurt als Literaturstadt stark im Kommen", sagte sie in einem Interview mit dem Online-Magazin "Bookster". Schon um die Jahrtausendwende gefiel ihr die Internationalität und das Angebot auf engstem Raum; das gebe es so in keiner anderen deutschen Großstadt, so Hartwig. Die 52-Jährige stellt in ihren Arbeiten vor allem gesellschaftspolitische Fragen - zum Beispiel zur sozialen Ungleichheit. 2011 wurde sie mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik geehrt.

(esc)
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