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Magdeburg
Juden sollen ihren Glauben behalten

Magdeburg. Synode der Evangelischen Kirche distanziert sich von Judenmission. Von Benjamin Lassiwe

"Hine mah tov umah nayim" erklang es im Tagungsraum der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), auf Deutsch: "Wie fein und wie lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen." Nach einer mehrstündigen Debatte hatten die Mitglieder des evangelischen Kirchenparlaments einstimmig eine Erklärung beschlossen, in der sie sich von der so genannten Judenmission distanzierten. "Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels", heißt es darin.

Der ursprüngliche Entwurf, eine Absage daran, "Juden zum Glauben an Jesus als Christus" zu bekehren, wurde indes verworfen. Weswegen gestern mehrere Redner davor warnten, dass die Neufassung so genannte Messianische Juden nicht einschließe: Splittergruppen, deren Mitglieder an Jesus Christus glauben, die sich aber selbst als Juden bezeichnen. Sie werden in Württemberg von einzelnen Kirchengemeinden unterstützt.

Der Vorsitzende des Synodenausschusses für "Schrift und Verkündigung", der ostfriesische Landessuperintendent Detlef Klahr, sagte indes, das Heil Israels bleibe allein Gottes Sache. "Das christliche Zeugnis gegenüber Israel unterscheidet sich grundlegend vom Auftrag gegenüber anderen Völkern." Jede Judenmission lehne man ab. "Ich freue mich sehr über die klare Entscheidung der EKD-Synode, zumal es auch im Blick auf die Judenmission eine lange und furchtbare christliche Schuldgeschichte gibt", sagte der Rheinische Präses Manfred Rekowski auf Anfrage der Rheinischen Post. Das Nein zur Judenmission sei mit der Verantwortung der Kirchen nach der Shoah zu begründen. Zudem finde sich in der Bibel nirgendwo der Auftrag für die nichtjüdischen Völker, das Volk Israel zu Gott zu bekehren.

Daneben verabschiedeten die Mitglieder des evangelischen Kirchenparlaments gestern eine Kundgebung zum Thema Europa, in der sie ein "Europa des Friedens, der Aussöhnung und der Gerechtigkeit" forderten. Zudem warnten sie vor einer sozialen Spaltung Europas. Populisten und Extremisten hätten leichtes Spiel, dies auszunutzen.

Quelle: RP
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