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Hamburg zeigt ihre Sammlung: Julia Stoschek, 34, Kunstsammlerin

VON ANNETTE BOSETTI - zuletzt aktualisiert: 06.04.2010 - 20:00

(RP). Die in Düsseldorf lebende Kunstsammlerin Julia Stoschek (34) spricht davon, dass sie ihre Sammlung ausbauen will. Die Einladung der Deichtorhallen in Hamburg, ihre Schätze auszubreiten, empfindet sie als eine große Ehre und Herausforderung.

Kunstsammlerin Julia Stoschek zeigt ihre Sammlung in Hamburg.  Foto: RP, Andreas Bretz
Kunstsammlerin Julia Stoschek zeigt ihre Sammlung in Hamburg. Foto: RP, Andreas Bretz

Meist hat sie mehr Schlagzeilen durch ihr kapriziöses Aussehen provoziert als durch ihre Arbeit. Ob sie wollte oder nicht. Auch durch ihre Liaison mit dem Fotokünstler Andreas Gursky. Jetzt aber ist der millionenschweren Sammlerin Julia Stoschek (34) überregionale Aufmerksamkeit in der Kunstwelt gewiss. Die renommierten Deichtorhallen haben sie eingeladen, ihre Sammlung an der Alster zu zeigen. Und wieder prangt ihr Konterfei auf den Einladungsflyern: Stoschek ganz cool, mit Kapitänsmütze und Trägerhemd.

Nervös blickt sie der Eröffnung am 16. April entgegen. Ab Dienstag ist sie vor Ort, um den Aufbau zu begleiten. Auf 400 Werke ist die Sammlung der Gesellschafterin der Brose-Gruppe mittlerweile angewachsen, die erstmals außerhalb des vor drei Jahren in Düsseldorf eröffneten Privatmuseums in der Fülle gezeigt wird. Ein Gespräch kurz vor der Hamburg-Expedition.

Klingt es nicht elitär, wenn Sie als Beruf Sammlerin angeben?

Stoschek Das mache ich ja nicht. Sammeln ist kein Beruf, sondern stellt eine Obsession – vielleicht eher eine Berufung – für mich dar.

Gab es einen kindlichen Berufstraum der Industriellentochter?

Stoschek Als Kind wollte ich immer Archäologin werden. Vielleicht fasziniert mich deshalb das Suchen und Entdecken von verborgenen Kunstschätzen.

Mit welcher Kunst kamen Sie in der Jugend in Berührung?

Stoschek Vor allem mit Theater und Musik, meine Großmutter war Schauspielerin, mein Urgroßvater Generalmusikdirektor.

Und die bildende Kunst?

Stoschek Während meiner Jugend in Oberfranken gab es wenig Berührungspunkte mit bildender Kunst. Daher war mir schon früh klar, dass ich meine Heimat verlassen muss, um meiner Sehnsucht zu folgen.

Wie kamen Sie als Betriebswirtin dann überhaupt zum Sammeln?

Stoschek Die Begegnung mit der Sammlung von Harald Falckenberg im Jahr 2002 war wie eine Offenbarung für mich. Seine Leidenschaft und Hingabe und dieses Glücksgefühl, das Kunst vermitteln kann, haben mich tief beeindruckt. In diesem Augenblick wusste ich: Das ist meine Welt.

Und wie kamen Sie zur Videokunst?

Stoschek Auch da gibt's ein Schlüsselerlebnis. In der New Yorker Gagosian Galerie habe ich 2003 die monumentale 3-Kanal-Videoinstallation "Play Dead: Real Time" von Douglas Gordon gesehen, in der ein Elefant, annähernd lebensgroß, seinen eigenen Tod spielt und sich gegen seine Instinkte mit unglaublicher Eleganz genau so hinlegt, als würde er nie wieder aufstehen. Diese tief anrührende, antrainierte Handlung an der Grenze zwischen Natur und Kultur strahlt für mich meditative Ruhe, aber auch etwas unfassbar Trauriges aus. Existentielle Fragen nach Leben, Tod, Wünschen und Ängsten manifestieren sich hier und spiegeln sich auch in meiner Sammlung wider.

Welches Werk aus Ihrer Sammlung ist Ihnen das wichtigste?

Stoschek Generell alle! Die Synästhetik von Time-based-media-Arbeiten lässt ungeheuer viel Raum für multiple Erfahrungsebenen, die sich immer wieder durch den jeweiligen Raum und die jeweilige Zeit neu definieren.

Planen Sie weitere Häuser?

Stoschek Natürlich will ich die Sammlung ausbauen. Der Hauptsitz ist und bleibt aber erst einmal Düsseldorf.

Vielleicht im Rheinland?

Stoschek Vielleicht in Düsseldorf, ja, vielleicht aber auch im Ausland.

Ihre beratende Tätigkeit im Moma von New York ist eine Ehre, zumal Sie keine Kunsthistorikern sind. Wo und wie erwerben Sie Ihre Kompetenz?

Stoschek Inwieweit ein abgeschlossenes Kunstgeschichtsstudium für den Ausstellungsbetrieb vonnöten ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie, ist gelernter Optiker, und Klaus Biesenbach, Chief Curator at Large am MoMA und Direktor des P.S.1, hat Medizin studiert.

Sie werden im Juni 35 – wo führen Sie Ihre beruflichen Träume hin?

Stoschek Ich wünsche mir, dass die Sammlung wächst und weiterhin in meinem Besitz bleibt, dass sie auf Reisen geht und in der ganzen Welt verteilt sein wird.

Das heißt, Sie machen genau das, was Ihnen gefällt?

Stoschek Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Gemäß dem Zitat des Künstlerduos Gilbert and George kann ich nur sagen: "Mit Kunst zu sein, ist alles was ich will."

Ihr großes Vermögen beschert Ihnen große Freiheit, gleichzeitig aber auch reichlich Neider. Wie fühlen Sie sich damit in Düsseldorf aufgehoben?

Stoschek Geld als Selbstzweck finde ich uninteressant. Die Tatsache, dass ich Gesellschafterin eines Familienunternehmens bin, versetzt mich in die dankbare Situation, eine Sammlung aufbauen zu können. Mein Ausstellungshaus hat sich zu einem festen Bestandteil der Düsseldorfer Museumslandschaft entwickelt. Über diese Anerkennung freue ich mich sehr.

Selbst die Künstler haben Ihr Haus inzwischen angenommen . . . 

Stoschek Ja, das bestätigt das Engagement der Sammlung. Mein Ausstellungshaus lebt von den Künstlern. Es erfüllt mich mit großer Freude, wenn international renommierte Künstler nach Düsseldorf kommen und ortsspezifische Arbeiten speziell für die Sammlung produzieren.

Quelle: RP

 
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