Schröder bei Flick-Ausstellung in Berlin: Kanzler eröffnet umstrittene Flick Collection
zuletzt aktualisiert: 21.09.2004 - 09:00Berlin (rpo). Am Dienstagabend wird in Berlin die umstrittenene "Friedrich Christian Flick Collection Hamburger Bahnhof" eröffnet. Bundeskanzler Gerhard Schröder wird anwesend sein, Kunstsammler Flick wird ebenfalls zu den Gästen sprechen.
Die Ausstellung der Sammlung hatte heftige Kontroversen ausgelöst, weil der Großvater des Sammlers, Friedrich Flick, zu den größten Rüstungslieferanten des NS-Regimes gehört hatte. Zu Wort gemeldet hatten sich Politiker ebenso wie die Familie Flick, Feuilletonisten und Künstler. Der Vize-Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Korn, hatte beispielsweise kritisiert, der Industriellen-Erbe wolle mit der Ausstellung die Geschichte seiner Familie "reinwaschen". In Zürich war das Ausstellungsvorhaben zuvor abgelehnt worden.
Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) hat unterdessen die Unterstützung der Bundesregierung für die Ausstellung des Kunstsammlers Friedrich Christian Flick in Berlin verteidigt. "Dass er diese Kunst gekauft hat, ist schon eine große kulturelle Leistung. Es ist eben nicht die Sammlung des Großvaters oder des Vaters", sagte Weiss der "Financial Times Deutschland". "Wir hätten auf andere Weise gar nicht die Chance, eine solche Ausstellung zu machen", fügte sie hinzu. Flicks Collection zählt zu den hochkarätigsten Privatsammlungen der zeitgenössischen Kunst und umfasst über 2000 Werke. Darunter sind Exponate von Bruce Nauman, Nam June Paik, Dieter Roth, Cindy Sherman, Pipilotti Rist, Marcel Duchamp und Jason Rhoades.
"Die Debatte, die geführt wird, ist schon sehr problematisch. Fast alle großen deutschen Unternehmen sind Nachfolgeunternehmen aus dem Dritten Reich. Das ganze Land ist Nachfolgestaat", sagte Weiss. "In allerletzter Konsequenz muss man fragen: Hätte man das überhaupt weiterführen dürfen?" Da die Nachkriegsbedingungen nicht rückgängig gemacht werden könnten, sei es um so wichtiger, "dass wir unserer Verantwortung gerecht werden".
Schuldig habe sich Großvater Friedrich Flick gemacht, nicht aber der Enkel, der sich seiner historischen Verantwortung stelle, betonte Weiss. "Er hat sich mit der Vergangenheit auch über den Weg der Kunst auseinander gesetzt. Er hat die 'konsumierbaren' schönen alten Meister verkauft und sich auf eine Kunst eingelassen, die sehr unbequem ist", sagte die Kulturstaatsministerin.
Etwa ein Drittel der Sammlung wird als Auftaktveranstaltung der siebenjährigen Zusammenarbeit mit Flick ab Mittwoch im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart und in den über eine Brücke angeschlossenen Rieckhallen präsentiert.
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