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Köln
Kirche im Aufschwung - finanziell

Köln: Kirche im Aufschwung - finanziell
FOTO: Anna Zörner
Köln. Das Erzbistum Köln verliert weiter Mitglieder und wird wegen der guten Beschäftigungslage dennoch reicher. Der Überschuss lag im vergangenen Jahr bei rund 52 Millionen Euro. Das Bistum will nun neue Impulse setzen. Von Lothar Schröder

Eine Kirche der Armen zu sein, muss zwangsläufig nicht bedeuten, dass eine Kirche arm ist. Auch muss Besitzstand noch kein Zeichen unbarmherzigen oder unglaubwürdigen Handelns sein. Und doch scheinen größere Geldsummen zumindest erklärungsbedürftig zu werden in Zeiten des Pontifikats von Papst Franziskus. So auch gestern beim Finanzbericht des Kölner Erzbistums, dessen Mitgliederzahl zwar weiter schrumpft - vergangenes Jahr um 0,8 Prozent -, dessen Erträge aber weiter steigen. Rund 52 Millionen Euro betrug der Überschuss allein in 2015.

Die paradoxe Situation einer kleiner, dennoch reicher werdenden Kirche ist vor allem mit dem guten Beschäftigungsstand sowie den Lohnerhöhungen zu erklären. Die Kirchensteuer legt deshalb um 6,6 Prozent zu und erbrachte dem Erzbistum über 627 Millionen Euro - der Löwenanteil aller Erträge in Höhe von über 832 Millionen Euro. Auch der Kirchensteuerertrag pro katholischem Kopf legte ordentlich zu und liegt bei knapp 311 Euro im Jahr; 2014 waren es gut 289 Euro.

Längere Zeit führte das rheinische Erzbistum den inoffiziellen Untertitel vom "reichsten Bistum" Deutschlands. Bis dann Paderborn seine Zahlen publik machte und plötzlich wohlhabender war, ehe München mit einem Vermögen von 5,5 Milliarden Euro Platz eins eroberte. Mit aktuell 3,518 Milliarden Euro dürfte Köln im katholischen Finanz-Ranking nicht auf-, aber auch nicht abgestiegen sein.

Der Kirche geht es also erst einmal ausgezeichnet - zumindest finanziell, was weder Dominik Meiering als zuständiger Generalvikar noch der Ökonom des Erzbistums, Hermann J. Schon, wirklich bestreiten. Die gute Ausstattung ist keine Art "Schuldbekenntnis", zumal ein Großteil der Mittel nach wie vor in das fließt, was die Kirche gerne das Kerngeschäft ihres Wirkens nennt: in die Seelsorge (36,3 Prozent der Ausgaben), die Bildung (11,4), die Caritas (9,4) und Kindertagesstätten (8,4). Jeden Tag fließen in die Gemeinden, die Verbände und Beratungsstellen zwei Millionen Euro. Und mit ihren Bildungsangeboten erreicht das Erzbistum immerhin zehn Prozent der Menschen - das heißt 500.000 jedes Jahr.

Dennoch, bei aller Rechenschaft: 52 Millionen Euro Überschuss sind mehr als nur ein nettes und unerwartetes Zubrot. Es ruft nach Gestaltung und neuen Impulsen. Das soll zunächst mit einem neuen, großen Bildungscampus geschehen - eine Art Schule für alle, ein Ort der Betreuung, der Beratung und Bildung. Weil nach den Worten Meierings Bildung "der Schlüssel für eine funktionierende Gesellschaft" ist und die Menschen zur Teilnahme daran befähigt. Idee und Wille sind da, allein mit der Umsetzung wird es dauern. Es fehlen ein Konzept, ein Ort und ein Zeitplan; doch bereitgestellt werden dafür 28 Millionen Euro. Auch die große Summe wird das Verfahren nicht beschleunigen; erste Eckdaten zum Campus-Großprojekt werden für den Sommer des kommenden Jahres erwartet.

Während also die Zahlen der Mitglieder wie auch der Seelsorger beständig sinken - 495 Priester dienten zuletzt -, bleibt die Kirche vor allem wegen der guten Konjunktur finanzstark. Jetzt gibt es eine Drehscheibe der Finanzen aus Pappe, mit der die Mitglieder ein bisschen spielerisch errechnen können, wofür ihre Kirche Geld ausgibt. Unbeeindruckt von den Stürmen der Zeit bleibt nur der Wert des Doms. Der wird traditionell mit einem Erinnerungswert von einem Euro beziffert. Hinzu kommt ein Euro für jede der 26 Grundstücksparzellen der Kathedrale - macht 27 Euro.

Quelle: RP
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