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Köln
Köln darf sich jetzt Fotohauptstadt nennen

Köln. Schenkung einer Privatsammlung macht das Museum Ludwig um mehr als 200 Exponate reicher. Von Annette Bosetti

Die Kölner Familie ist nobel. Sie will nicht namentlich genannt werden, obwohl sie der Kunststiftung und damit dem Museum Ludwig einen Fotoschatz in noch nicht bezifferter Höhe schenkt. Mehr als 220 Werke von bedeutenden deutschen und US-amerikanischen Meisterfotografien sind als verspätetes Weihnachtsgeschenk am Heinrich-Böll-Platz angekommen. "Fotos sind das, wonach Besucher immer wieder fragen", frohlockt Direktor Yilmaz Dziewior. Sein Haus sei jetzt neben Essen das Museum mit der größten und bedeutendsten Fotosammlung des 19. und 20. Jahrhunderts in Deutschland, sagt er.

Pech für Düsseldorf, dass dort an der Kunstakademie zwar die wegweisenden zeitgenössischen Fotografen im Umfeld von Bernd und Hilla Becher groß wurden und zum Teil noch vor Ort sind, dass aber die museale Präsenz von Fotokunst in den Sammlungen der Landeshauptstadt eher bescheiden ausfällt angesichts der 50.000 Exponate, die Köln jetzt sein eigen nennt. Die Protagonisten aus Düsseldorf sind auch auf der anderen Rheinseite daheim; dank zahlreicher Ankäufe und Schenkungen kann das Museum Ludwig Industrieserien von Bernd und Hilla Becher zeigen und Exponate von deren Schülern wie Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Thomas Struth. Zu den Neuerwerbungen gehören Bilder von Candida Höfer und Wolfgang Tillmans, die die Präsenz der Düsseldorfer Fotoschule ergänzen. So hat Tillmans ein klassisches Verehrungsbild für seine Künstlerfreundin Isa Genzken geschaffen, das er "Isa Mona Lisa" nennt und das die Sphinxhaftigkeit Genzkens feinfühlig intoniert. Von der in Köln lebenden Candida Höfer sind drei Neuerwerbungen dabei. Zwei Bilder aus ihrer 18er-Edition "Kölner Orte" zeigen Trainingsorte an der Sporthochschule, ein Exemplar von "Schloss Mirabell Salzburg" gehört ferner dazu, das 1996 in einer Sechser-Auflage entstand.

Nicht so bekannt wie die anderen Becher-Schüler ist die 1997 gestorbene Tata Ronkholz, von der etliche Abzüge ihrer Trinkhallenserie aus Neuss mit im Geschenkkarton liegen. Bei der 1940 geborenen Krefelderin regiert das System Becher noch in purer Form, seine Frontaltechnik und die distanziert-sachliche Fotosprache. Von Becher-Schüler Boris Becker gehen zwölf Arbeiten an das Museum.

Die Sammlung, die in zwei Jahren kuratorisch aufgearbeitet und dann auch gezeigt werden soll, umfasst 18 Positionen, darunter zwei Künstlerpaare. Ikonen der Geschichte der Fotografie sind darunter wie etwa die "Arbeitscollage Tafel 42" von Karl Blossfeldt (1910). Die legendären Blätter- und Blütenstudien des Pflanzenfotografs (1865 - 1932) kann man heute sogar bei Ikea als Druck erwerben. Auch Albert Renger-Patzsch hatte seine für die Neue Sachlichkeit stehenden Fotografien zunächst nicht der Kunst angedient, sondern damit Studien betrieben. Heute fügen sie sich in die Stilgeschichte. Von August Sander, dem Menschenfotografen des 20. Jahrhunderts, sind aufsehenerregende Bilder in der Sammlung. Dass er in einem seltenen Porträt ein Auge derart vergrößerte, war bisher unbekannt, sagen die Kuratorinnen.

Aus den USA sind Positionen von Dokumentarist Walter Evans und Fotoreporterin Diane Arbus dabei, aus Frankreich von Florence Henri ein meisterhaftes Selbstporträt und sechs Fotoarbeiten von David Hockney, die man im Museum mit seinen Gemälden abgleichen kann.

Köln stünde als Kunststadt nicht so gut da ohne ihr bürgerschaftliches Engagement, sagt Kulturdezernentin Laugwitz-Aulbach. Nicht nur Irene und Peter Ludwig hätten mit ihren Gaben Gutes getan, auch kleinere Sammler beförderten den Ruhm der Kunst am Rhein weiter.

Quelle: RP
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