| 09.30 Uhr

Köln
Königlich: Queen in Köln

Köln. Die Band machte auch ohne Freddie Mercury ihrem großen Ruf alle Ehre. Von Oliver Burwig

Als Brian May mit seiner graugelockten Dauerwelle auf die Bühne tritt und die ersten Akkorde von "One Vision" spielt, fliegt den Fans im Rheinenergie-Stadion ein akustisches Brett ins Gesicht. Mays sonst kehlige Gitarre und die brillante Stimme Adam Lamberts dröhnen ineinander, kaum ein Wort, kaum ein Ton ist vom anderen zu unterscheiden. Queen beginnen ihr Konzert vor allem laut. Doch als der Sound nach einigen Liedern differenzierter aus den Lautsprechern dringt, atmet der Zuschauer auf - und erlebt eine Show, die dem 1991 an den Folgen seiner Aids-Erkrankung verstorbenen Freddie Mercury alle Ehre macht.

Denn obwohl der 34-jährige Lambert es vermeidet, diesen zu imitieren, und sich als Mercurys Platzhalter gibt ("Thank you for letting me sing for you tonight!"), tritt er als schillernde, exaltierte Bühnenfigur in dessen Fußstapfen. Lambert, der erst 2009 durch die Casting-Show "American Idol" größere Bekanntheit erlangte, sticht zwischen dem über 30 Jahre älteren May und dem bärtigen Drummer Roger Taylor hervor. In hochhackigen Schuhen trippelt er den Bühnensteg in Richtung Publikum, schlägt in einem schwarzgefiederten Kostüm mit den Armen und reißt sich eine riesige Sonnenbrille herunter, nur um darunter eine kleinere zu enthüllen. Er stolziert in einer Lederjacke herum, tanzt mit einem Regenschirm, wackelt mit dem Hintern und räkelt sich nach mehreren Kostümwechseln bei "Killer Queen" in einem glitzernden Thron. Nebenbei meistert er die tiefen und glucksenden Elvis-Töne in "Crazy Little Thing Called Love" und das Falsett am Ende von "Somebody To Love". Und das Publikum singt trotz der Regengüsse bei "Radio Gaga" oder "I Want It All" tausendstimmig mit.

Während echte Blitze über den Himmel zucken, setzt sich Brian May für die Akustik-Ballade "Love Of My Life" in den Regen, um kurz darauf Platz zu machen für seinen Schlagzeuger Roger Taylor. Der singt das langsame Stück "These Are The Days Of Our Lives" und spielt dazu Gitarre, begibt sich aber kurz darauf wieder ans Drumset, um sich mit seinem Sohn Rufus Taylor zu duellieren, der auf einem zweiten Schlagzeug spielt. Dann wieder Brian May, den ein kleines Podest beim Gitarrensolo in die Höhe fährt, bis er vor einer riesigen orangestrahlenden Sonne zum Stehen kommt und die Fans nur noch seine Silhouette erkennen. Walgesänge und sich überlagernde Echos prägen das psychedelische Spiel Mays, bis dieser das Rock'n'Roll-Stück "Tie Your Mother Down" anstimmt.

Optisch eindrucksvoll das Dach aus Licht mit Dutzenden von Lasern. Beinahe greifbar scheint der Goldregen nach den Zugaben "We Will Rock You" und "We Are The Champions" über den durchnässten Zuschauern in den ersten Reihen niederzugehen. May hat sich für die letzten Lieder noch schnell eine Art silbernen Zaubermantel übergeworfen, Adam Lambert verabschiedet sich mit einer silbernen Krone auf dem Kopf.

Quelle: RP
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