Ein Ausblick auf die Theatersaison 2004/2005 in NRW: Kommissar Schneider und der Würgeengel
zuletzt aktualisiert: 30.08.2004 - 11:43Düsseldorf (rpo). Das erlebbare Glück inszenieren, die Zuschauer zum Träumen einladen oder Fremdes und Vertrautes in einen Dialog treten lassen - auch für die kommende Spielzeit haben sich die Leiter der Theaterbühnen in NRW wieder einiges vorgenommen, um ihr Publikum zufrieden zu stellen.
Die Saison wird von drei wichtigen Personalien geprägt. Denn mit Paul Esterhazy (Aachen), Matthias Hartmann (Bochum) und Jürgen Bosse (Essen) nehmen drei bedeutende Intendanten Abschied von ihren Häusern, die sie maßgeblich geprägt haben. Gerade Esterhazy und Hartmann haben es dann in nur fünf Jahren geschafft, ihre Bühnen wieder in die Erstklassigkeit zurück zu führen.
In Aachen gibt es die Deutsche Erstaufführung des Stücks "Fußbodenbelag" der russischen Brüder Presnjakow, die zum Verrücktesten zählen, was die russische Dramatik zur Zeit zu bieten hat. Neben weiteren Erst- und Uraufführungen von Peer Wittenbols und Dennis Kelly inszeniert mit Uwe Dag Berlin einer der wildesten Regisseure Gerhart Hauptmanns Diebeskomödie "Der Biberpelz".
Einen ganz anderen Fall muss hingegen am Bochumer Schauspielhaus die Spezialwaffe der Kriminalpolizei lösen. "Aprikose, Banane, Erdbeer - Kommissar Schneider und die Satanskralle von Singapur" heißt das neueste Stück von Ruhrpott-Entertainer Helge Schneider, der schon mit seinem Pferdemusical "Mendy" in der letzten Saison dem Intendanten Matthias Hartmann einen Kassenschlager beschert hatte.
Jürgen Bosse zeigt in Essen neben Schillers "Kabale und Liebe" und Wedekinds "Der Marquis von Keith" gleich vier deutsche Erstaufführungen - wobei Bosse sich mit "Riverside Drive" das neueste Stück des "Stadtneurotikers" Woody Allen gesichert hat.
Tagesaktuelles in Oberhausen und Bonn
Nehmen diese drei Intendanten noch einmal mit Elan und Phantasie ihren Hut, können zwei andere bereits nach einem Jahr stolz sein auf den von ihnen geleisteten Neubeginn. Johannes Lepper übernahm im vergangenen Jahr das Theater Oberhausen von Klaus Weise, der nach Bonn gegangen ist. Und wie von beiden Theatermachern gewohnt, reagieren sie auch in der kommenden Saison auf Tagesaktuelles.
Dafür "reist" Lepper mit Stücken von Tschechow, Gorki und Kafka in den Osten und mit "Die Katze auf dem heißen Blechdach" von Tennessee Williams in die USA. Und zwischendurch gründet er mit dem Intendanten des Moerser Schlosstheaters Ulrich Greb einen neuen Staat. Das "Arche-Noah-Projekt" heißt diese Kooperation, in der die Möglichkeiten des gesellschaftlichen Zusammenlebens spielerisch ausgelotet werden sollen.
Auf eine ähnlich unterhaltende Vielfalt des Theaters setzt Klaus Weise in Bonn. Er zeigt Stücke von Racine (Phädra), Brecht (Arturo Ui), Koltès (Roberto Zucco) und Karst Woudstra, der sich für "Der Würgeengel" vom gleichnamigen Film von Luis Bunuel inspirieren ließ.
Auf viele alte Bekannte und so manche Neuentdeckung setzt Anna Badora bei ihrer vorletzten Spielzeit am Düsseldorfer Schauspielhaus. Regisseure wie Burkhard C. Kosminski, Michael Simon und Patrick Schlösser inszenieren einen internationalen Reigen von Ibsen über Oscar Wilde bis Rainer Werner Fassbinder.
Das Kölner Schauspielhaus widmet sich verstärkt dem Verhältnis zu den USA. Zudem lockt der durch radikale Etatkürzungen nur noch auf zwei Spielstätten verteilte Spielbetrieb mit prominenten Namen wie Max Frisch (Biedermann und die Brandstifter) und Schillers "Die Räuber".
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