| 16.32 Uhr

Tonhalle Düsseldorf
Barenboim scheitert an Schubert

Konzert in Tonhalle Düsseldorf: Daniel Barenboim scheitert an Schubert
Pianist und Dirigent Daniel Barenboim. FOTO: dpa, tba kde lof
Düsseldorf. Der Pianist gastierte beim Klavierfestival Ruhr in der Tonhalle Düsseldorf. Von Wolfram Goertz

Es wäre mehr als ungerecht, wollte man Daniel Barenboim die alleinige Verantwortung für diesen verunglückten Klavierabend anlasten.

Nein, der berühmte Pianist hat ja einen flammneuen Flügel, der ganz nach seinen Anforderungen und Wünschen gebaut wurde, doch in diesen Kosmos der fast jungfräulichen Leichtgängigkeit der Tasten, der direkteren Ansprache der Töne, der reiferen Klangfarben, der subtileren Pedaldämpfung und der erweiterten Abmessungen und Dimensionen muss sich auch ein erfahrener Pianist erst einleben.

Das braucht Zeit. Mitnichten hat Barenboim das Klavierspiel verlernt, und ihm gelingen ja auch Momente der Tiefe, des Wunders, der Überwältigung bei seinem Gastkonzert des Klavierfestivals Ruhr in der Düsseldorfer Tonhalle.

Aber man kommt nicht umhin zu bedauern, dass Barenboim den beiden späten Klaviersonaten c-Moll D 958 und B-Dur D 960 von Franz Schubert in der Summe aller Details an diesem Abend nicht gewachsen ist.

Es verdrießen einen nicht so sehr die vielen Spielfehler, die Fehllandungen auf Oktaven, die wackelnden, ungleichmäßigen Triller in der linken Hand, die verstolperten Verzierungen. Nein, es ist diese geradezu flächige Ereignislosigkeit, die sich über das Klavierspiel legt wie ein Vorhang aus Müdigkeit und mangelnder Laune.

Vielleicht ist Barenboim bei Beethoven oder Liszt doch besser aufgehoben als in Schuberts Welten der Einsamkeit, aus denen Melodien emporsteigen wie längst vermisste menschliche Signale, während sich zugleich Pausen wie Abgründe auftun. Diese Schweigemomente würdigt Barenboim kaum eines Nachdenkens, er überspielt sie.

Vor allem die c-Moll-Sonate bekommt Barenboim überhaupt nicht in den Griff. Die mitunter bizarren Wechsel aus Energie und lyrischer Ruhe brechen eher unerwartet über den Musiker herein, statt dass er sie selbst überlegen differenziert.

Besser gelingt die B-Dur-Sonate, aber dennoch ist Barenboim von den pianistisch-philosophischen Weltanschauungen eines Alfred Brendel, eines Valery Afanassiew, eines Swjatoslaw Richter oder eines Wilhelm Kempff weit entfernt. Da hilft auch der neue Flügel nicht, dessen Bass zwar sehr schön zeichnet, der sich jedoch von einem Klavier normaler Größe und Würde nicht sonderlich unterscheidet.

Wie gesagt: Barenboim arbeitet noch an dem neuen Instrument und also auch an sich, und deshalb dürfen wir auf bessere Tage dieses großartigen Musikers hoffen.

Quelle: RP
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