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Leverkusen
Kuba schwappt bis nach Leverkusen

Leverkusen. Diango Hernández beschert dem Museum Morsbroich einen Strand. Von Bertram Müller

Die Wogen vor Kubas Küste schlagen bis nach Leverkusen. Dort hat der 1970 in Sancti Spiritus auf Kuba geborene, heute in Düsseldorf lebende Diango Hernández mehrere Wände im Obergeschoss des Museums Morsbroich mit blauen, grünen und zuweilen roten Wellen bemalt. Von der Decke hängen Leuchter mit Orangen anstelle von Glühbirnen. Und wie alles in diesem Gesamtkunstwerk namens "Theoretical Beach" haben die seltsamen Lampen einen Bezug zur Biografie des Künstlers.

In den 70er Jahren nämlich, als Hernández mit seiner Mutter auf Kuba lebte, schlossen Fidel Castro und Erich Honecker einen Vertrag: Die DDR finanzierte Kuba den Bau von zehn Zementfabriken, Kuba revanchierte sich mit der Lieferung von Apfelsinen. Doch in der DDR wurden die Früchte bald nur "Fidels Rache" genannt, weil sie von Natur aus sauer sind und in ihrer Heimat nur zum Saftpressen verwendet werden. So hatten sich die SED-Funktionäre das nicht vorgestellt.

Auch sonst schwelgt Hernández mit seiner Kunst in Erinnerungen. Im Untergeschoss des Museums geschieht das durch Werke anderer Künstler aus Kuba, die er in einem ebenfalls ausgestellten Koffer nach und nach aus seiner Heimat nach Düsseldorf transportierte. Im zentralen Raum lässt er einen durch Stangen verbildlichten Hurrikan wüten, während ein Stockwerk darüber sich seine Wellenformen auch über Schwarzweiß-Fotografien von Skulpturen aus dem Louvre ziehen. Besucher dürfen sich auf einer der Sand-Bänke zwischen den Bildern niederlassen.

Hernández' Thema ist die Wanderung zwischen den Kulturen, auch die Frage, welche Bilder zum gemeinsamen kulturellen Schatz der Menschheit zählen und welche eine Übersetzung in die Aura eines fremden Kulturkreises erfordern.

Hernández ist auf Kuba und im Westen zu Hause. Seine Mutter, Anhängerin Fidel Castros, lebte ihm den Kommunismus vor, sein Vater hatte sich früh in die USA abgesetzt. Der Strand von Florida wurde für den jungen Diango zum Sehnsuchtsort. 1994 schloss er sein Studium am Design-Institut von Havanna ab, 2003 ließ er sich in Düsseldorf nieder. Im Museum Morsbroich hat er nun die Gelegenheit ergriffen, seine Erinnerungen durch alle Ausstellungsräume wabern zu lassen - eine Mischung aus Politik und Ästhetik, aus sozialistischer Geborgenheit und dem am Ende siegreichen Drang zur Freiheit.

Ausstellung bis zum 28. August; Do. 11-21 Uhr, Di., Mi., Fr., Sa., So. 11-17 Uhr; Gustav-Heinemann-Straße 80

Quelle: RP
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