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Novelle
Kuchen backen nach der Liebe

In ihrer Novelle "Schlaflose Nacht" erzählt Margriet de Moor vom Abschied. Von Frank Dietschreit

Eine Frau steht nachts in der Küche und beginnt - während Schäferhund Anatole müde blinzelt -, einen Kuchen zu backen. Sie ist seit 13 Jahren Witwe, ihr Mann, Ton, hat sich, nachdem sie erst ein knappes Jahr verheiratet waren, im Gewächshaus eine Kugel in den Kopf geschossen. Irgendwann hat sie dass Alleinsein dann nicht mehr ertragen und damit begonnen, in Zeitungs-Annoncen nach flüchtigen Männerbekanntschaften zu suchen. Das nächtliche Kuchenbacken gehört dabei zu einem festgelegten Ritual. Immer wenn ein fremder Mann, wie auch in dieser "Schlaflosen Nacht", nach dem Sex befriedigt schlummert, steht die Frau auf, um in der Küche herumzuhantieren und über sich und die Männer, das Leben und den Tod nachzudenken.

Margriet de Moor, 1941 in Nordwijk geboren, gehört zu den bedeutendsten niederländischen Autoren der Gegenwart. Sie studierte Klavier und Gesang, bevor sie sich dem Schreiben zuwandte. Bereits ihr erster Roman, "Erst grau dann weiß dann blau", wurde ein sensationeller Erfolg. Heute sind ihre Bücher - unter anderem "Der Jongleur" und "Der Maler und das Mädchen" - in alle Weltsprachen übersetzt.

In ihrer Erzählung "Schlaflose Nacht" erzählt Margriet de Moor von einer kurzen Ehe, von Abschied und Tod, Wut und Eifersucht und von der Möglichkeit eines Neubeginns. Der Mann, der in dieser Nacht bei ihr liegt, ist ihr sympathisch. Wer weiß, vielleicht ist die harmlose Affäre Auftakt zu einem Neubeginn. Doch bevor es dazu kommen kann, möchte sie endlich eine Antwort auf die Frage finden, warum sich Ton, mit dem sie einst so glücklich war, aus dem Leben verabschiedet und sie allein zurückgelassen hat.

Es geschieht eigentlich wenig in dieser von stark rhythmisierter Sprache geprägten Novelle. Doch das Wenige ist von beeindruckender Präzision und bewegender Schönheit. Diese minimalistische Literatur liest sich wie eine mit leichter Hand hingetupfte musikalische Partitur, melodiös und zart, und dabei von ganz leisem, hoffnungsfrohem Humor.

Quelle: RP
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